Wadada Leo Smith "Spritual Dimensions" (Cuneiform Records 2009)

Wadada Leo Smith ist seit den 1960ern aktiv. Sein Weg durch die Jazzjahrzehnte hat Spuren hinterlassen. Zahlreiche Alben, die Zusammenarbeit mit unzähligen Musikern, ganz großen Namen, vielen unbekannten. Veröffentlichungen auf zahllosen Labels, Leitwolf vieler Formationen und Lockvogel auf Festivalplakaten. Er hat diverse verschiedene Preise abgeräumt, und Inspiration aus allen Lebens- und Stillagen gezogen. Auf Cuneiform sind bereits einige Alben erschienen, randvolle Doppelalben, das Yo Miles! Projekt, Sky Garden, Upriver, Tablight - "Spiritual Dimensions" ist dennoch nicht nur ein weiteres der Alben, die unter seinem Namen oder seiner Mithilfe entstanden sind.
Zwei CDs umfasst die Produktion. CD1 vom Wadada Leo Smith's Golden Quintet eingespielt. 5 Tracks sind enthalten, improvisativ lockere Stücke zwischen 5 und knapp 16 Minuten. Smith' sattes, rasant scharfes und kratzig trockenes Trompetenspiel liegt im aufgewühlten Becken seiner Mitarbeiter, die Free Jazz, Avantgarde und Funk energisch und episch auftischen. Es brodelt und groovt, die Songs kochen auf höchster Glut und werfen ohne Unterlass pulsierende Soli und illustre Bandimprovisationen aus, deren lange Ausläufer bisweilen in zarter Nachdenklichkeit entschweben, bis der Traum aufbricht und neue Energie aus belebten Knochen strömt.
CD2 ist von Wadada Leo Smith's Organic eingespielt worden. 4 Songs, von 12:37 bis 19:18 lang. 4 Gitarristen gehören zur Organic, ein Cellist, zwei Bassisten, davon ein elektrischer und ein akustischer, und der Drummer. Die Jazzphrasen baumeln auf mordsfetten Funk-Rhythmen. Groove findet zwischen Jazz, Funk und Rock statt, tief pulsierend, die Melodiker auf komplex geflochtener Basis hoch pumpend. Wadadas Trompete im Unisonoverband mit Cello oder Trompeten pflanzen sich episch fort, oder setzen zu markanten Soli an, in denen die Gitarren schneidend scharfe Spitzen flechten und die Trompete mit explosionsartigen Stößen dazwischenfährt. Die Energielevel lösen sich ab, die Band fährt hoch auf und lässt den Sound emphatisch donnern, und aus dem Überschuss fallen die Moleküle ab, dämmern wüst vor sich hin, finden zu neuer Spannung und fahren wieder auf. Am Interessantesten sind diese leisen, irritierten Phasen. Die Band entwirft avantgardistische Modelle, kratzt am melodischen Hörverständnis und schürft aus blechernem Funk, plötzlich aufbrechenden Soli-Resten und witzigem Verwirrspiel mit atonalen Fetzen neue Kraft und Idee, die Songs bis zur letzten Sekunde mit illustrem Sound zu füllen. Hat Saft und Kraft und ist zeitlos wie jeder gute Sound. Zudem, die instrumentale Ästhetik der astrein aufgenommenen Klänge hat eine Magie und Klangschönheit, die nicht jedes coole Jazzalbum - und davon hat die Weltgeschichte seit etwa 1950 einige - so locker drauf hat. In aller freien und bisweilen avantgardistischen Sprache sind beide Alben eingängig und haben gar Popappeal, für Derlei gewöhnten Hörer.
Coole Haare. Coole Cordjackett!

wadadaleosmith.com
cuneiformrecords.com
VM





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