Starcastle "Song of Times" (Progrock Records, VÖ: 09.04.2007)

Vor 31 Jahren, 1976, veröffentlichten Starcastle ihr selbstbetiteltes Debüt. Drei weitere Alben folgten, "Fountains of light" und "Citadel" 1977 sowie "Real to Reel" 1978. Die bereits Ende der Sechziger Jahre gegründete Band tourte auch in den 80ern noch ausgiebig und verschwand schließlich irgendwann von der Bildfläche. Doch jetzt ist die Truppe wieder da, alle (!) alten Bandmembers haben Anteil an der Einspielung der 10 neuen Songs, zudem sind einige neue Musiker dabei. Auf der noch unvollständigen Webseite der Band kann man in der Galerie nur alte Bilder sehen, vermutlich soll das Bild der jungen, langhaarigen, schlanken Männer erhalten bleiben und kein enttäuschender Blick auf die gealterten Barden gelegt werden, zudem zum Vergleich mit jungen Musikern an ihrer Seite, die heute aussehen wie sie einstů
Das Gros der Songs ist bereits vor über drei Jahren eingespielt worden. Gary Strater, Motor und Bassist der Band, dem die CD gewidmet ist, starb 2004 und war (zuvor) an der Einspielung und Produktion der Songs beteiligt (also wirklich!).
Starcastle waren schon damals kein Original in der Prog-Szene; sie waren in der zweiten Hälfte der Siebziger, als die alten Bands schon wegdämmerten und Punk und Disko die Köpfe der Kids beherrschten, ein YES-Klon. Nach ihren ersten beiden Alben wurden ihre Songs schlichter, die Band ging zum Melodic Rock über.
Umso überraschender ist "Song of Times" mit seiner komplex-progressiven Musiksprache. In jedem Song ist sofort zu hören, dass hier die alten Starcastle am Werk sind, wieder mit dem Hang zum (späteren 80er) YES-typischen Spiel und Songaufbau, das betrifft konkret Komposition, Bassarbeit und Gesang.
Auch heute werden sich die Geschmäcker nicht einigen können. Starcastle polarisieren. Der Mix aus Yes-Prog und vokallastigem Melodic Rock spült mit seinem "alten" Rocksound und den harmonischen Chorgesängen Emotionen auf. Wer die harmonische Prog-Variante bevorzugt, bekommt mit "Song of Times" ein wohldurchdachtes, liebevoll eingespieltes, hochmelodisches und zudem angenehm knackfrisch rockendes Album. Und gerade was das Rocken betrifft, ist, da sag ich nichts Neues, der sonstige heutige Nachwuchs weitgehend ja eher komplett unterbelichtet. Die Chance für Starcastle!

starcastlemusic.com
VM



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