Gutbucket "dry humping the american dream" (Enja Records 2003)

Die Musik ist genauso politisch wie die Titel der einzelnen Songs. Gutbucket wecken alle Sinne mit rotzigen Bläsern, harten Gitarren, komplexem Rhythmusgeflecht und harschem, krachigen Arrangement, das trotz aller angriffslustigen, schrägen, brachialen bis aggressiven Intention höchst aufwändig ist. Nicht die Kieler Rocker, sondern die Punk Jazzer aus New York City sind gemeint. Willkommen in einer aufregenden Musik, die gründlich unter die Haut geht und zu gewaltigem Krach ausholt, das man meint, genau dies schon so lange zu vermissen. Reverend Paul Chuffo (dr), Ty Citerman (g), Eric Rockwin (b) und Ken Thomson (sax) können zwar auch ganz anders, sich zum Beispiel leise in die Ohren schleichen, um darin Harmonie zu erzeugen. Doch dann, kurz vor dem Zuckertod, fräsen sie die Harmonien hinweg und schneiden einen neuen Weg mit gewaltigem Krach, rotzendem Saxophon und Geschrei durch den Kopf, um einen Blues anzustimmen, der in ein Latino-Motiv übergeht und still ausklingt: "dry humping the american dream". Der 4. Song heißt rotzfrech "O.J. Bin Laden", ein kurzes böses Stück, das sich unauffällig entwickelt und zu furiosem Jazz-Metal steigert. Grandios! Nett geht es mit "the polka of doom" weiter, ein aufgeregtes Motiv, das schräge Unisono-Läufe von Gitarre und Saxophon kreiert. Das schön harte "should´ve gone before you left" nervt grandios, während "dance of the demented pigeon" in ein Freejazz-artiges dynamisch-radikales Saxophon-Solo hinausläuft. "Liberation" verdeutlicht, was G. W. Bush damit meint. Der Song verarscht mit schrägem Gebläse und böser Struktur Amerikas Politik. Gutbucket sind eine fabelhafte Band, gar nicht so weit weg von Frank Zappas Universum, dem sie in vielem ähnlich sind. Das wäre was für die Zappanale in Bad Doberan und längst nicht nur das. Maßloses, beeindruckendes, radikales Werk. Davon braucht die Welt unbedingt mehr!

enjarecords.com
VM



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