Exoplanets "Welcome, it's Exoplanets" (Eigenproduktion 2009)
Trilarian Visions "Stars in their Courses" (Eigenproduktion 2009)
Antares "Kapt'n Nemo" (Eigenproduktion 1999)

Wie Phoenix aus der Asche sind Exoplanets auf den Plan getreten, nachdem Weirdo Naffn den angekündigten Abschied genommen haben. Michael Krampe (g, voc), Christoph Wienkötter (key), Jörg Wollmann (dr) und Oliver Zander (b) stehen auch gleich mit einem frisch aufgespielten Album auf dem Plan, live am 13.09.2008 in der Altstadtschmiede in Recklinghausen aufgenommen. Nicht nur die Band hat sich erneuert und einen neuen Namen gegeben, sie haben auch einige ihrer fantastischen alten Songs mit ins neue Programm übernommen, etwa "Going To India".
Exoplanets spielen Prog in Krautrock-Tradition. Deutschrock mixt sich mit Metal, Electronic, Jazz, Symphonic Rock; hier gibt es Zappa-Einflüsse (die Krampensoli), dort Rammsteinsche Inspiration (in "Eine Frage der Zeit". Der Refrain "Du kannst mich nicht hören, Du kannst mich nicht sehen. Du kannst mich nur spüren, als würde ich hinter Dir stehen" geht ab dem dritten Mal nicht mehr aus dem Kopf. Vergleichbares Hitpotential hat "Schmerz".)
Während die Rhythmuscrew Wollmann und Zander für den kraftvoll federnden und gelegentlich fett stampfenden Rhythmus sorgen, sind Gitarrist Krampe (Gitarristengitarrist, der allen Großen der Saiten auf die Finger gehört hat) und Keyboarder Wienkötter, der ambiente und symphonische Strukturen fabelhaft einzubringen weiß, für die melodischen Arrangements zuständig, was sie - neben den liedhaften Gesangspassagen - gern auch ausführlich mit längeren Soli tun. Die unorthodoxe Band hat die Zappa-Einflüsse des Bandvorgängers zurückgeschraubt, aber nicht verloren. Gerade in den Soli kehrt der alte Meister wieder zurück und lebt im Krampeschen Spiel.
Gewiss ist es nicht zuletzt Christoph Wienkötter zu verdanken, dass Exoplanets progressiver geworden sind, als es Weirdo Naffn je waren. Die lang ausgeführten Arrangements haben spacige Flächen, auf denen sphärische Tasten- und röhrende Gitarrensounds für den besonders guten Eindruck sorgen. Stellenweise geht es, wie im letzten Song, dem zehnminütigen "One Of These Moments" ambient-psychedelisch zu, was dem Quartett allem Anschein nach ordentlich Laune macht.
Unbedingt zu erwähnen, dass Comicautor Andreas Rausch ("Zappaesk") das, Glückwunsch!, grandiose Cover und das komplette Verpackungsbunt so exzellent gestaltet hat.
Schönes Teil!

Ebenfalls fertig ist das neue Album von Christoph Wienkötter, der neben seinen Engagements in Triton und Exoplanets ein Soloprojekt unterhält, das elektronisch-ambiente Sphären auskundschaftet. Eingespielt 2007, gemastert 2008, ist "Stars in their Courses" ein ausgedehntes Werk mit sattem Sound und überraschenden melodischen Entwicklungen. Die epischen Tracks, deren vier es gleich, teilweise weit über 10 Minuten bringen, könnten das Label Space-Electronic begründen. Die Einflüsse liegen sicherlich im klassischen Berliner Electronic Bereich, machen sich daran aber wenig fest, wenn Klaus Schulze (Mitt- bis End-Siebziger Phase) gelegentlich auch als konkrete Inspiration zu hören ist.
Die Stimmung des basslastigen, volumigen und schwer und vollmundig klingenden Albums ist melancholisch und verhangen, lässt Harmonien in Disharmonien fließen, aus deren mäandernden Strudeln sich neue Harmonien lösen. Nichts geht schnell in den Tracks, wer hat, kann sich im abgedunkelten Raum eine Lava-Doku dazu anmachen. Der Eindruck ist perfetto!
Der Electronic-Tastatieure hat ein vielseitiges Klangpotential aufgebaut, kitschig wird es, wie bisweilen schon mal möglich im ambienten Genre, nie. Dazu sind die Harmoniefolgen zu streng und schräg, zu düster der Sound, zu exzellent die Ideen, zu phantasievoll die lyrischen Space-Sounds.

Nicht zuletzt bedarf ein (altes?) Projekt Christoph Wienkötters Erwähnung. Mit Christof Hojak (b, voc), Bernard Prein (g, voc) und Markus Wojis (dr, voc) unterhielt der Keyboarder das Symphonic Rock Unternehmen Antares. 1999 nahm das Quartett im Proberaum mit zwei Mikrophonen (leider in sehr dumpfem Sound) das 43 Minuten lange, zweiteilige Werk "Käpt`n Nemo" auf. Die Geschichte wird in deutscher Sprache mehr erzählt als gesungen, die Band spielt lyrischen Symphonic Rock, der in instrumentalen Bereichen klassische Themen aufnimmt und im Geiste Emerson, Lake & Palmers ausbaut. Story und Musik sind sehr ansprechend, aber leider nur in wirklich gewöhnungsbedürftigem Sound aufgezeichnet. Da bedarf es einer erneuten Aufnahme.

Bei Interesse können Exoplanets und Christoph Wienkötters neues Album über die Musiker bezogen werden, die Kontaktadressen sind auf ihren Myspace-Seiten verfügbar.

myspace.com/exoplanetsband
myspace.com/wavya
VM



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