The Claudia Quintet "I, Claudia" (Cuneiform Records 2004)

The Claudia Quintet ist das Ensemble des New Yorker Schlagzeugers John Hollenbeck. Ebenso wie seine Bandkollegen Drew Gress (Akustik Bass), Matt Moran (Vibraphone, Percussion), Chris Speed (Klarinette, Tenor Saxophon) und Ted Reichman (Akkordeon) hat auch Hollenbeck bereits in verschiedenen und bekannten Bands/Projekten/Live-Konzepten gespielt. "I, Claudia" ist das 2. Werk seines Quintetts.
Im Pressetext steht was von Postjazz. Das klingt hilflos, trifft es aber seltsam genau. Weder gibt es hier typische Jazzstrukturen, noch bekanntere Modelle. Diese Mixtur aus 50er Jahre Jazz, Fusion, Avant Rock und Folk-artigem Liedgut hat keine Verwandten, aber durchaus Vorbilder. Das Schlagzeug trippelt vor sich hin, von einer melodischen Vibraphon-Figur untermalt. Der Bass schmeichelt dem Vibraphon und Klarinette und Saxophon tänzeln wonnetrunken balladeske Motive. Ein anderes Mal schrägt das Ensemble im Gemeinklang psychedelische Motive ab, um zu einem Tanzstückchen zu gelangen, das es mit Freude seziert. Die instrumentalen Songs haben seltsame Namen, das müssen sie auch, sind sie doch seltsam. "arabic" heißt der dritte Track, der wie ein sonniger Morgen klingt. Staub auf der Straße, knospende Vogelstimmen und verschlafene Gesichter, lyrisch, weich, zart fast, von schöner Zerbrechlichkeit und liebevoller Hingabe.
Folgende Songs haben schon mal kräftigere Jazz-Anteile, die hin und wieder Unisono-Läufe kreieren, wie in den besten Zeiten des abstrakten Jazzrock, doch von ganz anderer Gestalt. "I, Claudia" macht den Eindruck, dass Komponist Hollenbeck nicht wusste, was er komponierte, aber zu einem Resultat kam, das trotz seiner teilweise öden Motive (vor allem im Schlagzeug-Bereich selbst) malerisch und interessant klingt. Melodische Dichte und stille Dynamik sind von besonderer Qualität, ein ungewöhnliches Abenteuer. Wer verschrobene Musik mag, die von hohem Jazzanteil bestimmt wird und heiter mit sich selbst beschäftigt ist, findet in "I, Claudia" einen Volltreffer. Ordinäre Stereotype sind hier nicht auszumachen.

johnhollenbeck.com
cuneiformrecords.com
VM



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