Xing Sa "création de l'univers" (Soleil Zeuhl 2010)

Xing Sa ist ein sideproject von Setna, deren Nicolas Goulay (key), Christophe Blondel (b) und Nicolas Candé (dr) sich unter dem neuen Namen zusammenfanden, stilistisch nicht weit von der Mutterband entfernten (fast rein) instrumentalen Zeuhl zu zelebrieren, der nicht wie in Setna (die momentan damit beschäftigt sind, "The Cycle II" einzuspielen) von Nicolas Candé, sondern von Nicolas Goulay komponiert wurde.
"création de l'univers" enthält 5 lange Epen, die je aus zwei beziehungsweise drei einzeln anwählbaren Parts bestehen. Im Grunde ist das knapp 64 Minuten lange Werk aus einem Guss, wenn die Kompositionen auch deutlich unterschiedliche Aspekte setzen. Drei Gäste sind gelistet, Yannick Duchene Sauvage (voc, Neom) [soviel zu ‚instrumental'], Fabien Lenoir (chau gongs) und Gilles Wolff (ts). Die Stücke sind Zeuhl-typisch sehr intensiv, heftig und energisch, dabei tief melancholisch, nachdenklich, sphärisch, partiell ein Hauch nur, flüssig und gefährlich wie Lava. Jedes Thema wird intensiv ausgereizt. Und erst wenn die Band ihre fast minimalistisch mäandernden Songs hoch aufgepeitscht weit verebben lässt, sich mit dem Thema die Energie legt und ein zufriedenes Klima durch die befriedigten Hörsynapsen zuckelt, fließt das Motiv aus - und das folgende legt los.
Auf das 13:06 lange "Feu" folgen 16:07 Minuten "Terre" - und das legt (fast) genauso los, wie 1977 das Alan Parsons Project mit dem das Album eröffnenden Titeltrack "I Robot", die gleiche elektronische Aufgebrachtheit, die düster schweren Tiefen, die Chöre und symphonischen Klänge, die verschleppte Epik, die elegant bombastische Note. Das nicht allein schließt das zweite Thema nach etwa 4 Minuten - in den ersten Sekunden - ebenso an, wie "I Wouldn't Want To Be Like You" (ohne Gesang), die rhythmischen Jazzrock-Disharmonien, die knackigen Bandeinsätze - doch nur für einen Moment, dann brechen lautmalerische Zeuhl-Gesangsharmonien durch, die in (wenige) kobaianische Lyrics führen. Das Raumschiff ist unterwegs, die Erde wurde verlassen, die Crew ist auf dem Posten, Panta Rhei, alles fließt, gen Kobaia.
Xing Sa arbeiten heftiger als Setna, brachialer, dynamischer, mit mehr Rockhärte. Fetter Bass (logisch), komplexes Schlagzeugspiel, jazztriefende Keyboardexegesen - die Band ist auf dem besten Weg, in die Zeuhl-Geschichte einzugehen.
Auch die drei folgenden Longtracks lassen nichts zu wünschen übrig. Sobald der letzte Part verträumt dämmernd verebbt, schwingt noch die große Energie im Raum, und die Ahnung, das in dem Genre noch ungemein viel zu machen, komponieren, einspielen, Auditorium zu überraschen ist. Kann's nicht erwarten.

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VM





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