Johnny Winter "Saints & Sinners / John Dawson Winter III" (Sony 1974/74, BGO 2007)

Der am 23. Februar 1944 als John Dawson Winter III in Beaumont, Texas geborene Bluesrock-Gitarrist ist, wie sein jüngerer Bruder Edgar, Albino. Ab 1969 begann die steile Karriere des unvergleichlich inspirierten und begabten Musikers, der von seinem eigenen Erfolg erschreckt war, sich erdrückt fühlte. Zu Beginn der 70er Jahre musste Johnny Winter auf Grund massiver Drogenprobleme von der Bühne weg, Klinikaufenthalte absolvieren. Nach 1973 kam Johnny Winter verändert wieder. Nie wieder, trotz weiterer Erfolge, sollte der grandiose Gitarrist zu alter Form und Größe zurückfinden.
"Saints & Sinners" und "John Dawson Winter III", beide 1974 eingespielt, enthalten keine grandiosen Gitarrenschlachten, wenig akustische, düster-zarte Bluestracks, viel mehr lautstarken Party-Rock'n'Roll und liedhafte Stücke, in denen weniger Gitarrensoli, mehr das Bandgeschehen vervollkommnet wurde. Trotzdem gibt es sicher Gitarrensoli und die zeigen, was in dem Musiker Winter steckt, mehr als das, was die Songs an sich ausmacht. Wenige der Stücke stammen aus seiner eigenen Feder, Standards und bekannte Rocksongs intoniert Johnny Winter mit seiner Band, in der neben Rick Derringer (g), Dan Hartmann (b) und Bobby Caldwell (dr) stets sein Bruder Edgar an den Tasten zu hören ist, einige weitere Mitstreiter, etwa Randy Hobbs (b) aus alten Tagen, sind dabei, die komplette Band Jo Jo Gunne als Publikum, Randy Brecker mit seiner Trompete sowie Chorsängerinnen, die in einigen Songs dem Background Farbe geben.
Keiner der Songs hört sich an wie das Original. Johnny Winter setzt den Songs seinen Stempel auf, der hat zwar nicht die Aussagekraft der ersten Alben, setzt aber dennoch starke Akzente. Nicht allein seine raue, an bedrohlicher Wildheit schwangere Stimme, oder sein exzellentes Gitarrenspiel, sondern die lebhaft-flotten Rockarrangements betören mit harmonischer Eingängigkeit und Hitpotential.
Die Zusammenstellung beider LPs auf einer CD samt einem Bonustrack ist 79 Minuten und 57 Sekunden lang. Das Bonusstück "Dirty" als 11. Track auf der CD vor das zweite Album gelegt, stammt aus den Sessions zu "Saints and Sinners" und ist der einzige Akustikblues in Winters typischem wunderbarem Slidesound. Warum nur wurde der Songs nicht auf die LP gepackt - weil er die anderen Songs und damit die Gesamtqualität erdrückt hätte?
Die 10 Songs von "John Dawson Winter III" zeigen wieder ein deutlicheres Johnny Winter Profil. Es gibt mehr Blues, Johnnys Stimme singt härter, rauer und die Gitarre hat den Arrangements mehr Lautstärke, Raum und devote Band abgefordert.
Einige poppige Rocker und tanzbare Countrynummern machen den positiven Eindruck nicht kaputt. Johnny Winter kommt plötzlich so gut rüber, dass die erste LP im Nachhinein wie ein Ausrutscher erscheint. Die persönliche Krise war für den Gitarristen noch nicht überstanden, es folgten weitere Tiefen und Höhen, musikalisch wie persönlich. Aber er ist immer noch aktiv, seit fast 40 Jahren ist Johnny Winter ein Markenzeichen des Bluesrock, Inspiration für ein Heer nachwachsender Gitarristen. Die Musik des weißen Schwarzen des Bluesrock wird alle Zeiten überdauern.

VM



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