Leslie West "Blue Me" (Blues Bureau/Provogue Records 2006)

Vor nicht langer Zeit hatte die grandiose Rockröhre Leslie West, angejahrter Heavyrock-Held der ersten Stunde, bereits eine, ja, saustarke Veröffentlichung auf Provogue Records ("Got Blooze"). Nicht minder toll ist dieser Nachfolger. Wieder sammelt Leslie West Klassiker ein und setzt ihnen seinen Stempel auf. Mit Aynsley Dunbar (dr), Tim Fahey (b), Kevin Curry (g), Art Groom (org), Brian Mitchell (p) und Todd Wolfe (g) sind ihm einige weitere ältere und weniger alte Begleiter zur Seite gestellt, den Klassikern des Bluesrock neues Leben einzuhauchen. Wie schon bei "Got Blooze" sind die Arrangements leicht vereinfacht worden und ist der Härtegrad fast eines jeden Songs spürbar heraufgedreht. "I Woke Up This Morning" kann sicher mit der alten Ten Years After Fassung nicht mithalten, dafür sind die Details des Klassikers zu bekannt und ins Bewusstsein gedrungen. Aber jeder andere Track gewinnt.
Beide Facetten sind es. Die Stimme und die Gitarre. Der kann singen, wie andere nicht schreien. Seine Stimme ist ein Geschenk an die Rockmusik. Wäre sie eine Kreissäge, dann nichts wie weg. Wenn man den Mann samt Crew auf der Bühne erleben kann, werden die Trommelwelle wie windgebauschte Segel geballt. Selbst feine Bluesballaden wie "Sinner's Prayer" vom lange schon verstorbenen Lowell Fulson klingt wie Heavy Metal, ohne dass die melancholische Stimmung leidet, eher steigert sich die Aggressivität der Note. Die Energie will übertroffen sein. ZZ Top sind nix im Vergleich zu Leslie West. Seine Gitarre ist auf Maximum, seine Stimme was drüber. Das flößt Respekt ein, nicht nur aus künstlerischer Sicht.
Früher haben die Eltern gejammert, dass die Kinder zu laut Musik hören, heute beschwert der Nachwuchs sich, dass die Altvorderen mordslaut rocken. Schön, auf der Welt zu sein, wenn es ein Mann wie Leslie West auch ist.

VM



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