Umphrey's McGee "Safety in Numbers" (InsideOut Music, VÖ: 31.03.2006)

Studio- und Livearbeiten so genannter Jam-Bands haben nie dasselbe Format. Das ist schon im Wort "Jam" begründet. In Konzerten verschwimmen die "Grenzen" zwischen den Songs, zwischen komponiertem und improvisiertem Spiel. Da kann ein Stück schon mal erheblich viel länger werden, als die sich in diesem Sinne songdienlich zurückhaltenden Studioversionen. Cream haben es erfunden, Mountain, The Grateful Dead und vollem die Jazz-Blues-Rocker The Allman Brothers sind Klassiker des Genres. Gov't Mule und Phish sind ebenbürtige Nachfolger im gleichen Geiste, ähnlich wie Widespread Panic und Umphrey's McGee, der Band mit dem seltsamen Namen.
"Safety in Numbers", das neue Album der Amerikaner Brendan Bayliss (g, voc), Jake Cinniger (g, moog, synth, voc), Joel Cummings (key, voc), Andy Farag (perc), Kris Myers (dr, voc) und Ryan Stasik (b) hat zudem einige Unterschiede zum Vorgänger "Anchor Drops", mit dem die Band bei InsideOut Music einstieg.
Die Songs sind schlichter, längst nicht so aufwändig und "progressiv" wie die hinreißenden Stücke des Vorgängers. Und dennoch sind die 11 einmaligen und ungemein überzeugenden lasziven Tracks alles andere als banal. Die sanften Balladen, auf dieser Seite von Country, auf der anderen von Americana angestoßen, haben faszinierende Harmonien und eine Magie, die aus der Einfachheit und Stille der Kompositionen wirkt.
Es gibt immer noch komplex komponiertes Liedgut, das aber auf Liedhaftigkeit gestutzt wurde. Live war die Band just in Europa und auch in Deutschland unterwegs, da sind die zarten CD-Songs gewiss explodiert, zudem meinte Keyboarder Joel Cummings: "wir wollten nicht einfach nur die besten neuen Songs verwenden, sondern daraus jene bündeln, die am besten zusammenpassen. Dass es dadurch mehr in Richtung amerikanische Roots ging, war eher ein unbewusster Prozess. Progressivere Songs, die nicht aufs Album kamen, werden dafür in unserer Konzert-Setlist berücksichtigt."
Damit ist im Grunde alles gesagt, doch halt, da war noch der vorletzte Song "Ocean Billy", der nun wieder außerordentlich vertrackt und anspruchsvoll ist. Dennoch wird "Safety in Numbers" eher die Rock- als die Prog-Fans ansprechen. Bleibt zu hoffen, dass die CD mit dem umwerfenden Covermotiv (Storm Thorgerson) die Chance bekommt, die ihr zusteht.
Keine Vorurteile!

VM



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