Trinity Xperiment "Honeymoon On Mars" (esc records, VÖ: 06.03.2009)

Das Experiment des Kölner Trios ist nicht erst durch die Mitarbeit der drei Gastmusiker, und hier sei vor allem der derzeit in aller Munde befindliche Marco Minnemann mit seinen Schlagzeugstöcken genannt, außerordentlich überraschend und eindrucksvoll gelungen.
Franz Holtmann (g), Matthias Krauss (keys, org, prog, Sounds) und Gudze (b, prog) haben einen gemeinsamen Nenner: elektrischen Jazzrock. Gitarrist Franz Holtmann ist nicht verzagt, was das Aufdrehen der Knöpfe an seinem Verstärker bedeutet. Manche Komposition auf "Honeymoon On Mars", diesem vielfältigen Album mit rockenden Ecken, freakigen Jazzkanten und ambienter Kuscheligkeit, klingen fast wie Rock'n'Roll. Gleich zu Beginn das zehnminütige "Ashes", in dem Jazz und Rock in hoher Gluthitze eingekocht werden. Im Anschluss kochen sie im zweiten Track noch einmal, den sie bereits auf dem Mahavishnu Orchestra Tribute Album "Mahavishnu Re-Defined" veröffentlicht haben. "Visions of Fire", von Jost Nickel eingetrommelt, der MMinnemann ordentlich Konkurrenz macht. Die beiden Trommler sind nicht miteinander zu vergleichen. Zwar haben beide Jazz im Blut. MMinnemann jedoch auf pulsierendem Groove-Niveau, Jost Nickel ist der Komplextrommler mit dem originalen Mahavishnu- (oder besser Billy Cobham-) Touch.
Sechs lange Tracks sind auf der CD. Vier davon hat MMinnemann mit seinem Rock-Jazz-World-Drumbeat untermauert, dass die Stücke fast schon tanzbar, und immer noch komplex und verflixt aufwendig sind. Fünf Stücke dazwischen, die dem gastlosen Trio verspieltes Terrain sind, bluesige Phrasen, harmonische Melancholie, pieksige Jazzdisharmonien, satte Bassfiguren und - in einem Fall - metallische Gitarrenkaskaden zu probieren. Verspielt, wie gesagt, fast wie zufällig. Und doch von komponierter, genauer Struktur. Matthias Krauss Sounds haben ein umfangreiches Klangspektrum. Die elektronischen Klänge schweben elegant und verträumt durch die Tracks, selbst durch die groovig rockenden Songs, und gar in deren komplexen Einschüben, die den Spezialistenfans des komplexen Jazzrock einen wohligen Schauer nach dem anderen über die geneigte Schulter jagen werden. Dazwischen sind jazzige Disharmonien gepflastert, Fusion-Motive, die ganz und gar wunderbar in den kunstvollen Aufbau der epischen Tracks passen.
Nichts bleibt durchgängig gleich in den langen Rillen. Immer wieder bricht das Rockschema auf, schwillt in elektronischer Nachdenklichkeit ab, um mit voller Wucht wieder als Jazzmuster aufzubrodeln. Da gibt es noch beim elften Mal Neues zu entdecken. Ein alt gedienter Musiker gibt sich die Gastehre. In der sphärisch entspannten Lässigkeit des Jazz-Groove-Monsters "Wheater is changing" führte Holger Czukay sein French Horn an die Lippen, um dem freakigen Jazztrio + Minnemann-Gast eine weitere exklusive Facette zu geben. Klingt außerordentlich gut, sein Gegenspiel zu den schrägen Sounds der Tasten und dem rohen Ton der Saiten. Allerliebst!
"Honeymoon On Mars" kann nur der Vorwurf gemacht werden, zu professionell produziert worden zu sein. Wüstlingen wird es etwas glatt vorkommen, den strengsten Beobachtern aalglatt. Dem einen oder anderen Zuhörer wird der eine oder andere Ton vielleicht zu popbetont sein. Doch die Lebendigkeit dieser Songs und ihre Virtuosität tragen Sorge dafür, dass vor der Bühne genug Volk steht, sich live noch einmal mehr von dieser eindrucksvollen und ausdrucksstarken Kunst berauschen zu lassen.

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VM





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