The Inspector Cluzo „Gasconha Rocks“ (Fuckthebassplayer Records 2103)

Der Labelname lässt auf eine Eigenproduktion schließen, operieren die rosaroten Panther doch ohne einen Low-End-Chirurgen. Aber keine Sorge, egal ob der nach einem solchen sich auf die Suche begeben habende Inspektor Clouseau fündig werden sollte oder nicht, diese Band gibt auch als Duo gehörig Gas und rockt, bis das Schwein aus dem letzten Loch pfeift. Mathieu Jourdain (Schlagzeug und Chorgesang) und Laurent Lacrouts (Sologesang und Gitarre) verbraten Einflüsse aus Rock, Blues, Funk sowie Soul und braten dem Hörer diesen brisanten Mix derart energisch über, dass dieser nicht mehr weiß, ob er nun Rock oder Hose tragen soll. Die beiden Rosaroten lehren selbst schwarzen Panthern das Grauen, indem sie ihre Werke so dicht weben, dass nicht einmal die Spitze eines Reisszahns durchbasst. Kauzig, schrill und dennoch süffig. Von der Geisteshaltung ähnlich wie The Police und versehen mit dem Stigma der Postmoderne, allerdings im Vergleich zu Mr. Sumners Bande absolut independent. Wer zu zweit sämtliche eine Band betreffenden Angelegenheiten ohne Management und Label im Rücken schultert und dabei über 70.000 CDs verkauft, ist wahrhaft zu bewundern. (Neid ist vor allem in einem solchen Kontext meines Erachtens völlig fehl am Platz.) Dies dokumentiert auch die beiliegende DVD, die ein leuchtendes Beispiel für Freigeister aller Couleur darstellt, die sich unter keinerlei Joch außer dem des eigenen Geschmackes bzw. ihrer inneren Führung begeben. Neben einer Tourdokumentation gibt dieser audio-visuelle Rundling Einblick in die Lebenswelt des Duos, das seine (Aus-)Zeiten auf dem eigenen Bauernhof in der Gascogne verbringt, Position gegen die industrielle Herstellung von Lebensmitteln bezieht und sich für traditionelle Werte stark macht, die allerdings nicht unreflektiert übernommen, sondern einer kritischen Reflexion hinsichtlich ihrer Sinnmitte unterzogen werden. Allein schon wegen der DVD erhalten die beiden Inspektoren, die tatsächlich durch bzw. hinter die Fassade des schnöden Scheins blicken, ein dickes Lob. Ich hoffe, dass sich junge Bands und überhaupt junge und jung gebliebene, sprich geistig flexible Menschen solche Vorbilder suchen, um diesen nachzueifern und in Konsequenz dessen in mancherlei Weise zu wachsen.

Frank Bender



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