The Tea Company "Come And Have Some Tea With The Tea Company" (Smash Records 1968/World in Sound 2007)

World in Sound Records hat wieder einen Klassiker ausgegraben. The Tea Company gehörten zur frühen Psychedelic Underground Szene in den USA. Den 6 originalen LP-Tracks und den 4 Bonusstücken ist anzuhören, dass die populäre Musik gerade erst den Boden aufbrach und die Gebirge faltete. Die Revolution hatte begonnen. Manches klingt wie frühe Pink Floyd, die liedhaften Beatsongs, die aber gefährlich in wilde, spektakuläre Instrumentalminuten ausbrechen können. Die 4 kurzen Songs der LP sind relativ eingängig, lassen aber neben aller Tanzbarkeit einige verrückte, ausgeflippte, neue Sounds hören. Die beiden Longtracks gehen in den instrumentalen Parts weit daraus hervor. Die Sounds scheinen durcheinander zu fliegen. Stimmen, Gitarren, Bass und Keyboards geraten auf experimentellem Rhythmus ganz aus der eingängigen Form. Schließlich gewinnen die Instrumente wieder die Oberhand und schaffen eine extreme Struktur. Kreissägen und Wölfe heulen um die Wette, die Wölfe werden von der Band gesungen, die Kreissägen von verhallten Gitarren gespielt. Der Rhythmus, der dem Ganzen zu Grunde liegt, klingt wie ein manischer Indianertanz, was eine weitere mystische Note einbringt.
Kaum hat die Band ihre Longtracks auslaufen lassen, sind da wieder die liedhaften Songs, wie kleine Perlen auf Batikshirt, fast schon harmlos in ihrer einfachen Struktur. Zu aller Musik sind die Texte interessant und, bis auf die Refrains, gut nachvollziehbar. "Love Could Make The World Go Round" ist ein früher Hippiesong mit konkreter Meinung.
Nach dem 10-minütigen "Flowers" ist das fast 9-minütige "You Keep Me Hangin' On" von Holland, Dozier & Holland, eben dieses bekannte Stück, der freakige Ausreißer auf der LP/CD. Zwar bleiben The Tea Company im Vokalteil relativ dicht an der Komposition, die sie mit reichlich psychedelischen Sounds ausschmücken, instrumental wird es jedoch völlig freakig, einige Jahre später wäre das ein Heavymonster gewesen, hier klingt noch ein geradezu naiver, kindlicher Zug durch, der in den 60ern die besondere psychedelische Note war. Perfekt!
Die Bonustracks stammen aus dem Jahr 1966, sind noch unter dem Namen The Naturals, der Vorgängerband, eingespielt worden und noch deutlich braver und schlichter als das LP-Material der Tea Company, ohne aber billig oder gar blöd zu klingen. Die Zeit war 1966 für psychedelische Freakigkeiten noch nicht reif gewesen. Aber auch hier schon ist das exzellente, typisch 60er Jahre Schlagzeugspiel zu hören, das ständig unterwegs ist, herrlich vital arbeitet und den Songs perfekte Basis ist.
Im Booklet sind Bilder und Story der Band zu finden, 2007 vom Bandgründer Frankie Carr geschrieben, sowie technische Daten zur Band und den Aufnahmen.

VM



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