Talisma "Chromium" (Unicorn Digital, VÖ: 05.08.2005)

So außergewöhnlich interessant und fabelhaft die neuen Alben der Bands Ring Of Myth und Nil auch sind, so ist das dritte August Release des kanadischen Labels Unicorn Digital, Talismas "Chromium", doch noch einen Kick interessanter und ausgefallener.
Talisma hatten 2003 ihr Banddebüt "Corpus" eingespielt, das in der Progszene keinen völlig treffenden Vergleich findet. Auf ihr neues Werk "Chromium" trifft das ebenso zu. Die 12 instrumentalen Songs sind magisch, ausgeklügelt und originell, kein Track ist besonders lang (die CD bringt es auf 42 Minuten), die Ideen sind knapp verzahnt, die harmonischen Auflösungen folgen direkt, das sorgt für jede Menge Überraschungen.
1991 wurde Talisma von Donald Fleurent (b, g, synth, g-synth) und Stéphane Prudhomme gegründet. Im Jahr darauf nahm das Duo bereits ein Demo auf, das in der kanadischen Rockszene positive Reviews bekam. 1997 verließ Prudhomme die Band, um neue musikalische Wege zu gehen. Fleurent machte mit den Jazzmusikern Alain Boyer (dr), Florence Bélanger (voc, p) und Marc Filiatrault (g) weiter, doch leider kam in dieser Besetzung nichts zustande auf Grund musikalischer Differenzen.
2000 stiegen alle außer Fleurent aus und Martin Vanier (g, g-synth) sowie Mark Di Claudio (dr, perc) ein. Damit fand sich endlich die personelle Chemie, die 2003 auf "Corpus" und jetzt auf "Chromium" diese fabelhaften Songs entstehen ließ.
Stilistisch ist das Trio Talisma nicht festgelegt. Die progressiven Songs können symphonisch, heavy, esoterisch, avantgardistisch oder auch mal poppig klingen, ohne ausgetretene Pfade zu gehen.
Das Trio ist technisch äußerst versiert. Jedem Ton ist anzuhören, dass es um ihn geht. Geradezu liebevoll haben die drei extravaganten Musiker jede Aufmerksamkeit den verflixt komplexen, irrsinnig verflochtenen und einfach wunderbaren Harmonien und Arrangements gewidmet. Führende Instrumente in fast allen Songs auf "Chromium" sind die diversen Bässe, die Donald Fleurent spielt.
Neben 4-, 6-, 7- und 12-saitigen Bässen kommen elektrische, 12-saitige klassische und Bariton-Gitarren, Synthesizer sowie ein Roland GR33 Gitarrensynthesizer zum Einsatz. Donald Fleurent bedient die meisten der Instrumente, aber auch Martin Vanier kommt nicht zu kurz und spielt das Gros der Gitarren. Die beiden sind auch die Komponisten der Songs, während Schlagzeuger Mark Di Claudio sich des Layouts von Booklet und Backcover angenommen hat. In zwei Songs ist Gastmusiker Félix Leroux mit Percussions dabei.
Synthesizer, Gitarren, Schlagzeug und Bass entwerfen die differenzierten und vielschichtigen Grundfiguren der Songs, die von Themenwechseln und vertrackten Breaks durchsetzt sind. Auf dem Song thront dann entweder ein hartes oder sphärisches Gitarrensolo, eine lyrische Synthesizer Figur oder aber, und das ist zumeist der Fall, eine technisch ausgeklügelte, flitzefingerschnelle und komplexe, dabei sehr harmonische und nachvollziehbare Bassspur. Gerade diese Basssoli sind es, die den Songs den besonderen Kick geben. Die verschiedenen Basstöne in den einzelnen Songs haben unterschiedliche Klänge und leben von diversen Spieltechniken.
Doch "Chromium" ist nicht nur ein Traum für Bassliebhaber, sondern für Liebhaber komplexer, progressiver Rockmusik insgesamt. Allein die stets sehr dichten, dennoch luftig wirkenden, komplizierten und ausgefeilten Rhythmen und Rhythmuswechsel machen große Freude. Das ganze Album in seiner Vielfalt und Komplexität ist einfach fabelhaft.
"Chromium" ist ein Paradebeispiel für progressive Rockmusik im Jahr 2005.

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VM



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