Stilbruch „Alles kann passieren“ (Interfuse/NMD 2013)

„Anything can happen...“ sang dereinst schon Geddy Lee und wie RUSH sind auch Stilbruch ein Trio, das Zeichen setzt, aber was für welche. Bereits die Besetzung Sebastian Maul (Cello und Gesang), Friedemann Hasse (Geige) und Gunnar Nilsson (Schlagzeug) macht deutlich, dass diese Instrumentierung höchst ungewöhnlich für eine Rockband ist - keine Gitarre, kein Bass und keine Tasteninstrumente. Dazu Texte in der Muttersprache deutsch, die auch ohne Englisch-und/oder Deutsch-Leistungskurs verstanden werden können und dennoch genug lyrische Tiefe haben, um selbst einem Heinz-Rudolf Kunze ein lächelndes Nicken bzw. nickendes Lächeln zu entlocken. Gastmusiker wie Florian Mayer und Götz Bergmann (1. und 2. Violinen), Filip Sommer (Viola), Laura Härtel (Cello), Nathaniel Wendt (Gitarre - also doch - und Gesang), Tom Götze (E- und Kontra-Bass - also doch), Alma Stolte (Cello), Dörthe Braun (Harfe), Simon Rothe (Fagott), Matthias Vogel (Cembalo - also doch) sowie der Chor eines Gymnasiums sorgen für orchestrale Elemente und geben dem Klangkörper Volumen. „New Classic“ bezeichnen die Drei ihren Stil, wie dem auch sei, eine Bruchlandung ist diese Mucke keineswegs, sondern sehr inspirierend und ab und an an Bands wie COPPELIUS erinnernd, dabei aber ungleich leichter. Musik, die in einen hineinkriecht, wenn man ihr dabei nicht zuvorkommt, sehr warm im Timbre und mit Elementen aus dem Singer/Songwriter-, Folk- und Kammermusik-Bereich versetzt. Das Schlagzeug verleiht der Melange genügend Wumms und wirkt dabei wie ein Anker, der das Luftschiff aus Klangwolken erdet. Da in der Tat alles passieren kann, wünsche ich mir, dass das Fagott und die Harfe zu festen Größen bei Stilbruch werden, denn sie bereichern den Sound der Band ungemein. Stilbruch sind eine im Wortsinne progressive Band, die sich rasch weiterentwickeln wird, dessen bin ich mir sicher. Meine Hochachtung.

Frank Bender



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