Soft Mountain

Diese Musik ist noch nicht veröffentlicht worden. Hoppy Kamiyama hat meinem umfangreichen Promo-Päckchen ein pre-edit seiner folgenden Veröffentlichung beigelegt. Hoppy hat gemeinsam mit Tatsuya Yoshida (dr, Ruins), Hugh Hopper (b, Soft Machine) und Elton Dean (sax, Soft Machine) Stücke eingespielt, die demnächst unter dem Namen Soft Mountain veröffentlicht werden sollen. Vor kurzem erschien auf dem Tone Center - Label das Album "abracadabra" der Band Soft Works, auch dies ein Nachfolgeprojekt von Soft Machine, in dem Hopper und Dean arbeiten; ist die Musik beider Projekte nicht im Ansatz miteinander zu vergleichen. Soft Works ist ein Altherrenwerk, leise, melancholisch, nüchtern. Während Soft Mountain die Avantgarde - Variante des wilden, dynamischen Jazzrock ist.
Hugh Hopper findet zu grandiosen Bassläufen, die er unbeirrt über den langen Zeitraum beider Songs, die mir vorliegen (und die beide je über 33 Minuten lang sind!) durchhält. Keine Spur von Ermüdung oder Erschlaffung, sondern inspiriertes, kraftvolles Spiel. Ebenso ist der vitalste Schlagzeuger der Welt, Tatsuya Yoshida, aktiv. Wie in seiner Band Ruins oder in seinen diversen, zahllosen Projekten arbeitet er sich auch hier voran. Immer komplexe Rhythmen und Verschachtelungen sowie solistische Attacken spielend und längst nicht nur der Rhythmusknecht für die Melodieinstrumente seiend, schafft er eine wirbelnd-virtuose Rhythmusschlacht, die höchste Beachtung wert ist. Elton Dean bläst rotzig-harsche Attacken, die zwischen harmonisch-melodisch und free-atonal wechseln und, im typischen Soft Machine - Geist, berauschend wirken. Hoppy Kamiyama bedient Keyboards und Electronics. Sein Aufgabengebiet umfasst die Zusammenführung der 3 Einzelkämpfer. Da er selbst ein überaus zügelloser Musiker ist, der Homogenität wohl grundsätzlich ablehnt, um zu höheren Harmonien zu finden, harmonisiert er auch hier nicht, sondern schafft eine vierte Perspektive, die mal fusion-harmonisch, mal elektronisch; mal zersetzend, mal harmonisierend wirkt.
Der Rhythmus ist oftmals erstaunlich Groove-orientiert, zumindest der Grundrhythmus, auf dem Tatsuya Yoshida irre und abgefahrene Rhythmen trommelt, oftmals unisono von Saxophon, Piano oder Bass unterstützt oder gar unisono im Quartett. Hier ist eine forsche, ausdrucksstarke Band bei der Arbeit, die zu einem gemeinsamen Klang findet, der nicht süß, nicht dramatisch aufgeregt oder sonst wie modern angelegt ist. Sondern eine höhere Harmonie anstrebt, wie sie im besten Jazz-Fusion zu seltenen Höhepunkten finden kann. Eine traumhafte Arbeit, die hoffentlich bald gemastert und veröffentlicht werden wird.

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VM



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