Savoy Brown "Shake Down/Getting To The Point" (Beat Goes On Records 2005)

Es war einmal…
…eine Zeit, in der Rockmusik etwas Jungfräuliches war. Da saßen hungrige, schmalbrüstige Teenager mit ihren Instrumenten vor ihrer Leidenschaft und bastelten einen Sound zusammen, der brandneu und einzigartig war. Daraus erwuchs der britische Blues-Boom mit Musikern und Bands wie John Mayall, Fleetwood Mac und Savoy Brown.
Der feste Kern der Bluesbande war Kim Simmonds, ein Wahnsinnsgitarrist, der die Welt verwunderte und verwandelte. Denn das, was er da spielte, hatte niemand vor ihm so wild und laut gespielt. Nichts vorher hatte so scharf und dreckig geklungen, keine Band hatte die Verstärker so weit aufgedreht und ihre Gitarren und Schlagzeuge so permanent hart bedient. 1967 war es, als Savoy Brown die Welt mit ihrem Debüt "Shake Down" erschreckte und entzückte.
Da saß Jimi Page zuhause am Radio und dachte, dass der Tag zur Nacht würde und wusste, dass er seinen Sound gefunden hatte. Savoy Brown spielten vor allem Bluesklassiker auf ihrem Erstling. Die Schlagzeugbecken haben diesen zarten Klang der sauberen Aufnahme, die Stimme hallt durch den großen Raum der Songs, die Gitarre füllt das Klima und die Atmosphäre kocht sich auf. Dixons "I Ain't Superstitious", B.B. Kings "Rock Me Baby" und "Oh! Pretty Woman" hatten wie John Lee Hookers "It's My Own Fault" niemals zuvor so einen messerscharfen Gitarrensound gehört, aus Blues war Rock geworden, Heavy Rock.
Lässig und grandios sind die Bluesrocker dieses Debüts, das jetzt von Beat Goes On Records für die Nachwelt auf CD veröffentlicht wird, gemeinsam als 2CD mit dem Follow-Up "Getting To The Point", das bis auf Leader Kim Simmonds und Sänger Chris Youlden personell komplett neu bestückt wurde.
1968 erschien die LP, ein Jahr nach dem Debüt. Die Band hatte dazugelernt. Die Soli waren länger und leidenschaftlicher, Savoy Brown trauten sich mehr zu und gruben tiefer. Vor allem live rockten die Briten Hölle und zogen ein ganzes Zeitalter voll Teenager in ihren Bann. Neben einigen traditionellen Bluesnummern war vor allem Sänger Youlden Komponist der Songs. 5 der 9 Tracks stammen aus seiner Feder oder waren von ihm umgebaut worden. Die Studioversionen ihrer Live-Klassiker sind viel humaner und zivilisierter, als die brachiale Intonation ihrer wilden Konzerte. Und doch geben diese Studioversionen schon einen Blick in das Herz der Band, in die wilde, jugendliche Lust auf erotischen, wahnsinnigen Bluesrausch. Savoy Brown machen keine erholsamen Lüftchen, sondern blasen zum Sturm. Die Gitarrensaiten hatten diesen irren, harten Sound, diesen hingebungsvollen und faszinierenden Klang, der mindestens ein ganzes Jahrzehnt lang tausende Musiker und Bands inspirieren sollte. Die BGO-Produktion kann nur unbedingt empfohlen werden. Ebenso wie die 4 weiteren und auch bei BGO jeweils im Doppelpack aufgelegten Platten auf CD sind die besten Alben der Band damit für die Nachwelt remastert konserviert worden. In den späteren 70ern verkam die Band leider zur leichten Nummer mit diversen Alben, die das frühe Werk qualitativ und emotional längst nicht mehr erreichen konnten.

VM



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