Julian Sas "Resurrection" (Mascot Music 01/2007)

Julian Sas ist die holländische Institution in Sachen elektrischer Bluesrock. Der Mann hat an den Saiten einen ganz eigenen Stil entwickelt und findet sich in der Tradition großer Bluesrocker wie Johnny Winter oder Eric Clapton wieder, was auch gleich die Spannweite der Songs erläutert. Zwischen heißblütiger Heavyness, wie sie einst Johnny Winter so unvergleichlich (und unerreicht) entwickelte und zart-zurückhaltender britischer Kühle, wie sie der kuschelige Wohnzimmer-Freak Eric Clapton ganz besonders zu intonieren wusste, schwingt sich der holländische Gitarrist ein. Am Horizont deutet sich eine Ahnung von Peter Green's Spielweise an, wie sie besonders auf dessen "In The Skies" grandios formuliert wurde.
Neben dem alles bestimmenden Blues sind auch Funk- und Soul-Motive in den Songs zu finden, ebenso knackiger Hardrock im späten Erbe früher Ten Years After. Doch trotz aller erkennbaren Vorbilder hat Julian Sas mit seiner exzellenten Begleitcrew Tenny Tahamata (b) und Rob Heijne (dr) ein bemerkenswert eigenständiges Album eingespielt. Die 9 Songs sind emotional wohl ausgebaut, haben Farbe und Volumen, schwingen geschmeidig mit erheblicher Bassschwere und illuster versiertem Rhythmusspiel aus den Boxen, haben jeweils viel Zeit für ausgedehnte Gitarrensoli und einnehmende, faszinierende Stimmung.
Die Arrangements haben sich Inspiration ganz tief in den 70ern gesucht und gut dabei getan. Die CD wirkt erwachsen, überraschend selbstbewusst und gründlich überlegt, dennoch steckt viel kindliche Entdeckungsfreude darin und die Hingabe an jeden einzelnen Ton, was besonders im vordergründig wenig auffallenden, mordsexzellenten Bassspiel besonders begnadet zu Geltung kommt. Der Klangeindruck ist jedoch modern, so klangen Schlagzeug und Gitarre in den 70ern nicht, so klangecht und abgefedert, dafür fehlt der CD etwas das Gefühl des damaligen Zeitgeistes. Zudem spielt Schlagzeuger Rob Heijne nicht besonders komplex, was die damaligen Recken allein schon aus emotionaler Hingabe nicht anders als konntenů
Dennoch, die CD ist gerade für Fans des 70er Bluesrock große Empfehlung, mal abgesehen von den, mehr braucht hier nicht gesagt zu werden, rattenscharfen und wahrhaft inspirierten Gitarrensoli, passiert in den einzelnen Songs melodisch und motivisch immer wieder Unvorhersehbares.

VM



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