Nicolas D'Amato's Royal Society "Nullius In Verba" (Buckyball Records 2005)

Nicholas D'Amato hat seine Band Royal Society genannt, nach der Gruppe visionärer Wissenschaftler und Denker, die im 17. Jahrhundert in England geforscht hatten, unter ihnen Isaac Newton und Stephen Hawking. Der Name ist treffend gewählt, was das Trio hier tut, ist eine Art Forschung; Feldforschung in Sachen dynamischer improvisativer Musik.
Nicholas D'Amato (b) hat Blues bei Poppa Chubby gespielt, Wayne Krantz (g) kann auf vielfältige Engagements hinweisen, unter anderem bei Steely Dan und Billy Cobham, John O'Reilly Jr. (dr) war bei Tunnels (ist dort jedoch auf keiner offiziellen CD zu hören).
Erstaunlicher Weise ist der Bassist Chef des Unternehmens, das geht zuerst etwas unter, weil die melodische Führung bei der Gitarre liegt. Jedoch wird schon beim zweiten und genaueren Hinhören klar, dass der Bass keineswegs nur brav die Struktur der Komposition hält, auf der sich Gitarre und Schlagzeug austoben. Mal abgesehen von den solistischen Eskapaden und den reinen Soloparts und -stücken für den Bass arbeitet D'Amato ungemein intensive Melodielinien aus; den impulsiven, flüssigen, aus tiefster Seele harmonisch-abstrakten Jazz. Wayne Krantz, der im Opener "Sequitur" frisch und forsch voranstürmt, fügt sich, das kommt auch erst später ins Bewusstsein, oftmals dem Bass, indem er dessen motivisches Spiel aufnimmt und schön lebhaft improvisiert. Insgesamt jedoch klingen die meisten Tracks nicht unbedingt improvisativ, ist die Struktur der Stücke komplex, teilweise sehr komplex. Das transportiert das saubere, differenzierte und faszinierend akzentuierte Spiel John O'Reilly Jr.'s, der die Takte forsch anschneidet, verschleppt, kürzt und weitet und der Dynamik wahre Explosionskraft gibt.
"Nullius In Verba" kann sicher als Jazzrock gelten, hat jedoch viele eigene, motivisch und stilistisch nicht kategorisierbare Nuancen. Das intime, vitale Spiel des Trios erinnert in vielen Momenten an den Jazzrock der 70er, hat aber auch Einflüsse aus moderner Popmusik und der improvisativen, freien Avantgarde. Pop ist die Leichtigkeit der Stücke, die Flüssigkeit des Spiels, der Groove; Jazz die Verzahnung der Harmonien, die differenzierte rhythmische Arbeit, das melodische Gefüge, die Intensivität; Avantgarde die abstrakten Parts, die freie Improvisation.
Doch keine Sorge, nichts an "Nullius In Verba" ist zu sperrig oder avantgardistisch, das Trio hat viel Humor, überholt sich in vitalen Rhythmusforcierungen selbst und prescht voran, um den sowieso schon komplexen Tracks die besondere Note zu geben. Das passiert hin und wieder, gerade die vitale Rhythmusarbeit, der sich bald Gitarre und Bass mit immer härterem Spiel und wilderen Läufen anschließen, lässt die Stücke explodieren und findet zu ungemein hoher Leidenschaft und Spannung. Die hatten viel Spaß bei der Einspielung der Tracks (nachdem sie es drauf hatten, diese motivreichen Stücke fehlerfrei zu spielenů), das hört man jeder Sekunde dieses frischen Werkes an.
"Extracted" ist 6 Minuten lang, "Expanded" knapp 2, "Sequence" wieder über 6, während "Compound" just eine Minute lang ist. Mit den Namen im Verhältnis zur zeitlichen Länge der Tracks offenbart das Trio seine Denkweise, gegen den Strich zu bürsten. Die experimentierfreudige Band muss mit allen Ehren bedacht werden. Ihre Platte, ihre eigene Musiksprache und Antwort auf den elektrischen Jazzrock ihrer Inspiration ist ein kleines geniales Werk mit voller Auslotung der Tiefen in Lyrik und Rock. Unbedingt testen!

nicolasdamato.com
buckyballmusic.com
VM



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