Rock Candy Funk Party "We Want Grooove" (J&R Adventures, 29.01.2013)

Funk is back in style! Und wie!!!
Tal Bergman (dr, perc), Ron DeJesus (g), Michael Merritt (b), Renato Neto (keys) und Joe Bonamassa (g), genau dieser, spielen neun zum Heulen schöne, mitreißende, kurzweilige und Grooove-satte Songs ein, die rein instrumental und nicht auf Pop aus sind, auf keinem tumben 1978er Disko-Mist gewachsen sind, ordentlich Jazz im Körper haben, fette Soli, geile Sounds (Gitarre, Keyboards) präsentieren, saustarken Rhythmus als Triebmittel nutzen, wahnwitzig Schlagzeug und Perkussion in virtuoser und rasanter Spielweise drauf haben, gut, sehr gut komponierte und grandios arrangierte Songs anbieten, in denen Ideen wie Silvesterraketen abgeschossen werden und still sitzen, drüber schreiben und sonst wie Schlaffkram überhaupt nicht gehen: so waren einst die Besten unterwegs, etwa die Commodores ("Machine Gun"), zuletzt haben Mats/Morgan vor einigen Jahren derlei ähnlich saustark abgeliefert und jetzt diese gut gelaunte Crew: Wow!
Funk, Jazz, Rock, Fusion und Jazzfunk gehen in den 8 Bandkompositionen und dem einen Covertrack ("Root Down" von James Smith) mit ungemeiner Lust und purer Energie auf, was zuerst an der guten Idee, den perfetto inspirierten und handwerklich geübten Beteiligten und dem puren Spaß an der Musik liegt, die in dieser Qualitätsklasse eher ein Schattendasein fristet. Entweder mutiert Funk in allerlei ‚modernen' Stilen wie Metal, Rap, Hip Hop, R'n'B etc. zu neuem Leben, oder findet in Tanzhallen oder Edelnobelsonstwas statt, wo echte Musik kaum eine Chance hat. Die Version dieser Jungs, deren zweiter Namensteil klein, die drei anderen Anteile riesig zu denken sind, ist indes echt, hat Körper und Geschmack, treibt Schweiß wie Sport, ist kurzweilig wie dies nur die besten Augenblicke sind, und ist von riesigem Unterhaltungswert.
"Das Konzept der Platte", meint Schlagzeuger und Chefideologe Tal Bergman, "heißt aufeinander eingehen, Bandinterplay, sich den Ball zuspielen, reagieren und den Moment lebhaft weitertreiben". Und das gelingt der technisch versierten und mit allen Wassern gewaschenen Combo nur sehr gut. Einflüsse sind mannigfaltig zu finden. Opener "Octopus-e" erinnert an Jeff Beck und die Average White Band. Der Ultrasong "The Best Ten Minutes Of Your Life", zwar mit Hang zum Theoretischen und doch zeitlos, mitreißend und wohlige Schauer endlos über den Rücken jagend, könnte von Früh70er Temptations stammen oder in anderer Intention einem der Epen der einstmals großartigen Rare Earth entsprungen sein. Herbie Hancock lieferte Tonnen an Inspiration, ebenso Weather Report, James Brown, Earth, Wind & Fire, Sly Stone, Miles Davis - - -
Da es keinen Sänger, keinen Gesang, keine Refrains gibt und liedhafte Arrangements nicht stattfinden, sind die Songs satt farbenfroher Arrangements und knackigen Interplays der hinreißend begnadeten Band. "Animal"Work" tendiert nach dem experimentellen Intro gen Disko, aber nicht zu stark und nicht simpel und schlicht, sondern verführerisch jazzgeladen und differenziert rhythmusbebend. Nichts auf der CD ist kitschig oder billig, die Jungs wissen erlesen hochqualitativen und gleichzeitig erfrischenden Sound zu produzieren.
2 Mankos: zuerst einmal sind 67:05 Minuten viel zu wenig für diesen Mordssound, keine Frage. Zweitens: das tonlose lange leere Nixloch im letzten, 15:40 Minuten angezeigten Track ist nichts anderes als überflüssig!
Zur CD gibt es eine DVD, auf der man der Band über die Schulter schauen kann: Making of und ein offizielles Video zum Opener. Das Beste ist nicht, dass diese überraschende, großartige Platte existiert und hoffentlich in der Rock/Jazz-Welt für großes Aufsehen sorgt, nicht "The Best Ten Minutes Of Your Life", sondern das der Sound insgesamt so gut geworden ist, die Band so entspannt und kernig bei der Arbeit war, so dass da doch unbedingt, He Jungs!, unbedingt ein Follow-Up kommen muss. In hoffentlich kurzer Zeit!

VM



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