Yuval Ron & Residents of the Future "Futuristic Worlds Under Construction" (Eigenproduktion 2004)

Der erste Track der CD lässt noch nicht vermuten, wofür Yuval Ron & Residents of the Future stehen. Gitarrensynthesizer und Synthesizer entwerfen eine sphärisch-ätherische Stimmung, deren elektronischer Klang melodisch nicht leicht fassbar ist, in seiner ambienten Flüssigkeit entspannt, dennoch aber nicht aus der Electronic Ecke kommt, sondern harmonisch und melodisch purer Jazz ist. Der zweite Song, der sich nahtlos anschließt, verwirrt einmal mehr, wenn er in den ersten 28 Sekunden eine schwere Salve elektronischer Drumsounds abfeuert. Doch sodann, in der 29. Sekunde, starten Yatziv Caspi (dr) und Yuval Ron (g, synth-g) mit dem ersten Ton und Ofir Shwartz (p, key, synth) und Yaniv Shamelashvili (b) sodann gleich mit dem zweiten Ton einen wundervoll herben Jazzrock, wie ihn Allan Holdsworth, den man als ersten und treffendsten Vergleich nennen kann, in seiner besten Zeit gespielt hat.
Die folgenden 29 Minuten und 4 Songs hören nicht mehr auf, diese abstrakten und hinreißenden, dabei extrem vitalen und komplexen, harmonisch schwierigen Strukturen zu spielen. Das instrumentale Spiel ist leidenschaftlich und kühl, die flüssigen, außergewöhnlichen melodischen Linien sind von fabelhafter Komplexität. Am meisten Facetten zeigt Yuval Rons Gitarrenspiel, das von Jazz über Progressive Rock bis zu metallischem Ausdruck einfach grandios ist. Ofir Shwartz' Keyboardarbeit schafft während Yuvals Soli den harmonisch aufwändigen Teppich, indes Yaniv Shamelashvili und Yatziv Caspi ein aufgewühltes Gebräu schwer arbeitender Rhythmuslandschaft entfachen. In Ofirs Synthesizersoli wechselt die Band vom Rock zum Jazz, was vor allem in Yuvals Gitarrenspiel zum Ausdruck kommt, wenn er Jazzsounds nutzt.
Teilweise ist die Musik auf "Futuristic World Under Construction" komponiert, zum Teil improvisiert. Wie im Jazz üblich, baut die Band die Songs auf, lässt sie warmlaufen und stürzt sich dann in solistische Improvisationen.
Vielleicht ist das Basssolo im 4. Track "Cannes Ventici's Central Ice Skating Rink" das schönste Solo der CD überhaupt. Die kühle, abstrakte Melodiesprache führt Ofir mit seinem Keyboard weiter, während Gitarre, Bass und Schlagzeug den begnadeten Rhythmus virtuos verdichten. Das muss man einfach gehört haben, das Quartett entwickelt große Leidenschaft und Intensität, die einfach umwerfend ist!
Und zum Ende interpretieren Residents of the Future tatsächlich eine Holdsworth Komposition, die nicht aus dem Rahmen springt, sondern von gleichem Klang, Körper und Geist ist. Die Band aus Israel ist eine absolute Bereicherung für die progressive Musiklandschaft zwischen Jazz und Rock, die CD, wenn auch nur 33 Minuten lang, nur unbedingt zu empfehlen.

rotf.us
VM



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