Rachel Z Trio "Moon At The Window" (ToneCenter 2003)

Der erste Blick auf das Cover verwirrt, denn Rachel Z spielt keine niedlichen Popsongs, sondern feinen, melodischen Jazz. "Moon At The Window" sind 12 Joni Mitchell - Adaptionen, rein instrumental, nur Piano, Bass und Schlagzeug. Eine kühle, sanfte Musik, lyrisch und nachdenklich, dabei transparent und ohne jeden Schnickschnack. Die Interpretationen bauen auf das sanft-verhangene Piano von Rachel Nicolazzo (aka Rachel Z), den impulsiven und doch zurückgenommenen Bass von Patricia Des Lauriers und das verspielte, sanft swingende Schlagzeugspiel von Bobbie Rae. Rachel Z hat mit vielen Größen gespielt. Peter Gabriel, Steps Ahead, Al Di Meola, Larry Coryell, Special EFX, Mike Manieri sind Stationen. Vor allem ihre Zusammenarbeit mit Wayne Shorter hat sie geprägt. Es gibt bereits Veröffentlichungen von und mit ihr. "Moon at the Window" reiht sich mustergültig in ihr Repertoire. Die Sanftheit, mit der sie die Mitchell-Motive beginnen läßt, treibt im improvisativen Spiel energische Blüten. Unsentimental, kraftvoll und weit entfernt von jeglichem dumpfen Zeitgeist oder Kitsch transportiert ihr Piano im rhythmisch-melodischen Gefolge der dynamischen Bass-Schlagzeug-Basis erregte Improvisationen, farbenfrohe Exkursionen ins freie Spiel, die stets im melodischen Rahmen bleiben und trotz aller Vitalität und Spielfreude in jedes Wohnzimmer passen. Hier erfahren Joni Mitchell´s Songs, die bisher in der Form nicht zu hören waren, eine neue Dimension. Die Komponistin Mitchell bekommt ein Gesicht, das sonst hinter der tiefsinnigen Lyrik wie hinter einem Schleier blieb. Es sind nicht nur schlichte, melodische Stereotypen, die Joni Mitchell´s Gesang transportieren. Es sind eindrucksvolle Melodien mit tiefem Gefühlsgehalt aus weiblicher Weltsicht. Ob ein Mann zu solcher Sanftheit in der Lage ist, so zurückgenommen und still Kompositionen zu gestalten, ist fraglich. Rachel Z haucht den Stücken kongenial Leben ein.

VM



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