Positive Catastrophe "Garabatos Volume One" (Cuneiform Records 2009)

Positive Catastrophe ist ein guter Bandname. Da weiß man gleich, was zu erwarten ist. Die Katastrophe indes hält sich in Grenzen, der Sound ist nicht so freakig, dass derlei ungewöhnte Hörer genüssliche Schrecksprünge machen. "Garabatos Volume One" speist sich aus zwei Sphären. Auf der einen Seite Latin-Folk, auf minimalistischer Basis, Rhythmusenergie mit hypnotischer Monotonie, was nicht allein Schlagzeuger Tomas Fujiwara zu danken ist, sondern viel mehr dem Perkussionisten Abraham Gomez-Delgado, der das differenzierte Rhythmusgeschehen monotonisiert, was den Songs eine betäubende Note gibt, als würden afrikanische Buschtrommeln oder manische indianische Beschwörungsformeln die Songs überfallen - zum Glück löst sich im Laufe des Albums das überaus aktive Perkussionsgeschehen und schweift in Jazzgefilde ab, aber die Dröhnung kommt zurück. Anders als bei Santana, wo - in den besten Jahren - die vielseitige Perkussion ungemein differenzierte Klangteppiche webte, geht es hier hypnotisierend zu.
Auf der anderen Seite Jazz, der sich aus liedhaften Einflüssen und Free Jazz speist und fabelhafte Bläserläufe kreiert, in denen die 5 Bläser zu exzellenter Harmonie finden. Während die Rhythmuscrew auch mal ins melodische Geschehen eingreift und die Bläser den brassigen Rhythmus geben, bleibt dies doch die Ausnahme und auch solistisch sind die Bläser im Vordergrund, wie dies Sängerin Jen Shyu ist, die mit wunderbarem Gesang hinreißende Gesangslinien belebt.
Die meines Erachtens beste Melodiearbeit bringt Hornist Mark Taylor ein, der ein ausgezeichnetes solistisches und improvisatives Gespür hat und aus dem Ensemble mit einzigartigen Klangfarben hinaus sticht. Sobald Gomez-Delgado die Handperkussion aus den Fingern lässt, wird das rhythmische Geschehen virtuoser und lebhafter und Schlagzeuger Fujiwara setzt zum intensiven Trommeln an, wunderbar von Keith Witty am akustischen und Alvaro Benavides am elektrischen Bass unterstützt.
Die überwiegend instrumental aufgebauten Songs sind schöngeistig und überraschungsreich und lassen in ihrer Intensität nicht nach, wenn Shyu zu Gesang ansetzt. Ganz im Gegenteil, ihr Gesang ist gleichwertiger Part des lebhaften Ensembleklanges. Die lustigen Gitarrensoli von Pete Fitzpatrick sind extra anti-rock-betont, haben avantgardistische Note und klingen wie Blech. Kein Beitrag. Ohne Gitarristen und Perkussionisten (der der zweite Boss des Ensembles istů) wäre die positive Katastrophe deutlich überraschender und beeindruckender. So mildern die beiden Mitarbeiter den positiven Eindruck.

myspace.com/positivecat
cuneiformrecords.com
VM





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