Gospel for J.F.P. III - Tribute to Jaco Pastorius (Moonjune Records 2005)

Moonjune präsentieren mit Gospel for J.F.P. III ein wunderschönes Tribute-Album für Jaco Pastorius, einem, wie Pat Metheny es sagte, der letzten Erneuerer des Jazz im 20. Jahrhundert, einem Menschen, der Musik ist und lebt. 1951 wurde Jaco Pastorius in Fort Lauderdale, Pennsylvania, USA, geboren. 1987 starb er eben dort. In den 60ern hatte er in allerlei R&B Bands gespielt und mit Pop-Acts auf der Bühne gestanden, bis er 1974 bei Pat Metheny einstieg. Von 1976 bis 1981 war Jaco der dritte Leader in Weather Report, neben Joe Zawinul und Wayne Shorter. 1976 brachte er ein viel beachtetes Soloalbum heraus, über die Jahre arbeitete er mit einer unzählbaren Menge Musikern und Bands zusammen, darunter Joni Mitchell, Blood, Sweat & Tears, Paul Bley, Bireli Lagrene, Ira Sullivan. Von 1980 bis 1984 hatte er seine eigene Band, Word of Mouth, die hin und wieder zur Big Band anwuchs und beachtliche Alben einspielte. 1987 starb er, als er in den Midnight Club in Fort Lauderdale einbrechen wollte, bei einer Schlägerei.
Lange Jahre war nichts über Jaco zu hören, bis sein Name seit Mitte der 90er Jahre plötzlich wieder ausgegraben wurde. Seither gibt es etliche Bootlegs mit Pastorius Material, sein Backkatalog und der von Weather Report sind (fast) vollständig aufgearbeitet worden. Und "Gospel for J.F.P.III" ist nicht das erste Tribute-Album für den Bassgott Pastorius. Aber ein fantastisches. Stilistisch und instrumental unterschiedlich präsentieren viele Musiker, darunter etliche, mit denen er selbst zusammen gearbeitet hatte, das facettenreiche Programm des Bassisten.
Den Auftakt macht das über 9-minütige "Three Views of a secret". Der Chor Contrafarsa beginnt rein vokal den Track, was sehr spannend klingt, dann übernehmen Hiram Bullock (e-g) und Bireli Lagrene (acc-g) für 8 Minuten das Stück auf sehr improvisative, technisch hinreißende Weise. "Las Olas" wird von der Band des blinden Pianisten Michael Gerber gespielt. Brasilianisches Flair breitet sich aus, lyrische, beschwingte Atmosphäre. "Havona" aus dem Weather Report Repertoire und Pastorius Komposition (fast alle Stücke sind Pastorius Kompositionen), zeichnet den ersten Ausflug in den Jazzrock mit Othello Molineaux' Band. Molineaux ist ein Meister der Steeldrums, womit er, neben den Keyboards, die tragenden Melodien und die meisten Soli spielt.
"Continuum" von Jacos Soloalbum von 1976 wird wieder von der Michael Gerber Band gespielt. Das stille Stück hat ein magisches Motiv und weht zart dahin.
Sämtliche Songs sind perfekt interpretiert und technisch und emotional begnadet und ausgereift, die Rocker, Jazzstücke und Balladen werden von rundem, süffigem Klang und kraftvollem Spiel getragen, die CD ist interpretatorisch enorm gelungen, das setzt sich in den weiteren Stücken auf gleich hohem Niveau fort.
"I Can Dig It" ist die erste Nicht-Pastorius-Komposition. Grupo Del Cuareim spielt das grandiose, wundervolle Stück, das Jacos erste Aufnahme als Sessionmusiker war und ihn stets fasziniert hatte, mit Hingabe und großer Geste. Am Bass ist übrigens Felix Pastorius zu hören, einer der Zwillingssöhne von Jaco Pastorius, dessen Bassspiel dem seines Vaters technisch nicht nachsteht. Im Anschluss ist wieder Michael Gerber mit einem Jazztrio zu hören. "Dania" als reiner Jazz kommt beschwingt und virtuos, Bass und Schlagzeug bestimmen die Dynamik, auf der Michael Gerber mit dem Piano tanzt. "Punk Jazz" gibt es in einer völlig neuen Version. Gil Goldstein, ein Freund Jacos seit den frühen Jahren auf der Universität von Miami, spielt den Song solo mit dem Akkordeon.
Die meisten Songs der CD sind bereits auf anderen Platten veröffentlicht worden, mit Ausnahme von "Dania", "Punk Jazz" und "Good Morning Anya".
"Teen Town" ist ein weiterer Jazzrocker, von der Kenwood Dennard Band gespielt. Knackig und funky, Jazzfusion mit Hauptaugenmerk auf rasantes, leidenschaftliches Bassspiel. Rich Franks, Alex Darqui und John Patitucci spielen "Microcosm" als federleichte Jazzversion. "Good Morning Anya" hat Jaco für seinen Neffen Anya geschrieben. Der Song wird hier als rohe, unfertige, aber dennoch hinreißende Version der Zebra Coast Band eingefügt. Ein leichtfüßiges Stück zwischen funky Jazzrock und Latin.
Zum Ende gibt es mit "Gospel for J.F.P. III" einen Jazzrock, der nicht von Pastorius komponiert worden ist und laut Booklet als Widmung verstanden werden soll.
Das Booklet enthält Informationen zu den Songs, Interpretationen und involvierten Musikern. Was ich jetzt hier auf Grund der Fülle der Daten nur ansatzweise angeben kann, sind die Hintergrundinformationen zu den einzelnen Stücken, die äußerst umfangreich und liebevoll sortiert in den der CD beiliegenden Presseblättern nachzulesen sind, möglicherweise auch auf der Homepage des Labels.
Die CD ist vollumfänglich absolut zu empfehlen. Jazz(rock)fans und vor allem natürlich Pastorius- und Bassjünger kommen da nicht herum. Ein solch tolles Tribute ist ein großes Denkmal.

jacopastorius.com
jacop.net
http://members.aol.com/tomstr/jacodiscog.html
moonjunerecords.com
VM



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