Oz Noy "Ha!" (Magnatude Records, VÖ: 26.04.2005)

Der aus Israel stammende Oz Noy war schon als Kind ein Gitarrenvirtuose. Bereits mit 13 Jahren beherrschte er viele Techniken, spielte Jazz, Blues, Pop und Rock. Mit 16 Jahren gehörte er zur Elite israelischer Rockmusiker und mit 24 Jahren hatte er sich als Studiogitarrist etabliert. 1996 ging er in die USA, immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Das Guitar One Magazine sagte bald: "imagine Jeff Beck meets John Scofield in James Brown's band". Er wurde mit Angeboten überhäuft und spielte mit Chris Botti, Mike Clark, Harry Belafonte, Toni Braxton, Phoebe Snow und vielen anderen. Werbe- und Filmwirtschaft kamen auf ihn zu und so ist er in unzähligen Werbefilmen und Soundtracks zu hören.
"Ha!" ist sein Solodebüt. Prominente Unterstützung spielt hier mit: Anton Fig (dr) und Will Lee (b) von der David Letterman Late Night Show Band, Fusion-Legende Mike Stern und weitere.
Die 10 zwischen 5 und 8 Minuten langen Tracks haben stets einen äußerst komplexen, virtuosen Groove. Oz spielt etliche Sounds und Techniken. Da ist stilistisch zwischen Rock, Funk, Blues und Jazz alles dabei. Seine außergewöhnliche Spielweise macht die Songs unglaublich mitreißend. Schönstes Stück ist "Haa!", in dem der Rhythmus ständig variiert wird. Fast hört es sich an, als seien Aufnahmefehler zu hören, da verliert der Sound plötzlich, die Gitarre scheint von einem zerknitterten Band zu kommen. In einigen Songs gibt es diese Einbrüche, da kann man die Aufmerksamkeit nicht verlieren. Ständig passieren ungewöhnliche Dinge. Zumeist sind die Tracks sehr entspannt und tragen die spannende Energie genüsslich witzig mit sich. Humor wird hier ganz groß geschrieben, da klingt nichts dunkel oder bedrohlich. Zwar kann die Gitarre heftig rocken und schräge, schwere Töne von sich geben, doch der Gesamtcharakter bleibt forsch, geradezu fröhlich, überraschend cool, übersäht von verrückten Einfällen und in den Balladen leise, lyrisch, aber dennoch mit angenehm ausgefallenen, frischen Ideen. Das unterhält absolut perfekt und macht gute Laune! Oz Noy ist ein Meister der elektrischen (Jazz-) Gitarre mit eigener Note, der sein Instrument nicht nur technisch perfekt spielen, sondern auch die Bandbreite der Emotionen hinreißend ausdrücken kann. Ein kommender Stern am Jazz-Himmel mit eigenem Stil und einer breiten Einfluss-Palette aus Rock und Jazz.
Es gibt heftigen Funk ("Say What?!", "Hit Me"), nachdenkliche Balladen ("What Love Is", "I Can't Make You Love Me"), ungewöhnliche Jazz-Sounds ("Hey You" - mit genialen rhythmischen Verschleppungen), vitalen elektrischen Jazz ("Downside Up"), verspielte Humoresken (das Thelonius Monk Cover "Blue Monk").
Zudem gibt es einen Computertrack. Ein 8-minütiges Interview mit Oz über seine Gitarrentechnik und ein weiterer Song live mit Anton Fig und Reggie Washington. "Ha!" ist ein grandioses Album, keine Präsentation kniffliger Spieltechnik, sondern wunderbarer intelligenter Musik. Nicht nur Jazz/Jazzrock-Freaks sollten sich für die Platte interessieren. Das ist ein ganz großes Album, für mich eines der besten des bisherigen Jahres überhaupt. Lasst euch überraschen!

oznoy.com
VM



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