Nemo "Si Partie I" (Quadrifonic 2006)

Es gibt Bands, bei denen die herkömmlichen Vergleiche und Schubladen nicht greifen. Die passen in kein über lange Zeit zusammengeschustertes Schema, ihre Musik entzieht sich mit selbstverständlichem und logischem Ausdruck dem verblüfften Hörer. Nemo gehören dazu, eindeutig (). Die französische Kapelle spielt eigenwillige, sperrige Songs, die lang sind wie üblich im Progressive Rock, ebenso komplex und melodisch aufwändig, aber dennoch nicht so ganz in die Vorstellung von "Prog" passen wollen. Womit sie einen Orden verdient haben. "Progressiv" ist alle Musik, oder? Und diese ganz gewiss auch. Und ganz vieles, was im Genre Prog so herumgeistert, ist wirklich progressiv. Doch ungewöhnliches im ungewöhnlichen Genre ist die Krönung.
Heute erfindet keiner die Sackkarre neu, da werden eher Feinheiten ausgelotet. Nemo machen die Doppelsackkarre daraus. Die Intonation des Gesanges erinnert an Ange, wegen des markanten und akzentuierten Tones in der Stimme. Das Keyboardensemble ist weniger engagiert beim Songaufbau als die Gitarre, hat jedoch viel esoterisches und illustratives Spiel zu absolvieren. Es gibt wenig Bombast, die Songs sind eher kühl und nüchtern, dennoch von großem emotionalen Ausdruck. Die komplexen und vielfältigen Themen in den instrumentalen Parts der Tracks zeigen die Härte von Metal, die entsprechende Aggressivität und Radikalität, und dann bricht das Stück ein und das Vokalarrangement ist Chanson-betont, dazu spielt der Keyboarder eine jazzige Figur, die ebenso Funk sein könnte. Der eigenwillige und melodisch schwere Refrain wird zum Hardrock und die folgende instrumentale Sequenz klingt wie nervöser Jazzrock, der sogar ein agogisches Zentrum wagt, woraufhin Synthesizer und Gitarre unisono ein sensationelles und forsches Jazzmotiv spielen.
Stilistisch ist die Band nicht zu fassen, zu vielfältig ist ihr Ausdruck. Und dennoch wirken die Songs in sich und ist die CD musikalisch-thematisch insgesamt geschlossen und sehr wohl zueinander passend. Die diversen Stilmittel ergänzen sich hervorragend, stoßen hier und dort vor den Kopf, weil die Wendungen es in sich haben. Und doch ist die CD mit ihren 5 Tracks, deren 2 richtig lang sind, ausdruckstark und unterhaltsam. Gewiss bedarf es einiger Hördurchgänge, diese nicht auf eingefahrenen Wegen sich bewegenden Songs zu erfahren, und schließlich lassen die Stücke nicht mehr los. JP Louveton (g, voc), G Fontaine (key, voc), JB Itier (dr, voc) und LB Guichard (b, voc) sind perfekt in ihrer Horizonterweiterung. Seit 2002 haben Nemo stetig jedes Jahr eine CD veröffentlicht, der Titel dieser Platte kündigt bereits an, dass ein weiteres Werk in Planung ist. Reinhören ist hier zuwenig.

nemo-world.com
jplouveton.com
justforkicks.de
VM



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