The Move "Looking On" (Polydor 1970, Salvo/Onward Music 2008)

The Move waren die absoluten Freaks, die mehr durch Show und selbstbewusste, böse Werbung auftraten, als durch Musik. Und schon ihre Musik war freakig. Roy Wood war ein ideenreicher und durchgeknallter Hippie, der den Move-Hit "Flowers In The Rain" folgendermaßen in die britischen Klatschspalten brachte: "Abscheulich, verabscheut und verabscheuenswürdig mag Harold schon sein: aber Beautiful ist das einzige Wort, mit dem man Flowers In The Rain von The Move beschreiben kann."
Harold war niemand Geringerer als der damalige Premierminister Harold Wilson, der die Band verklagte, der Presserummel machte The Move auf einen Schlag weltbekannt. Ihre exzentrischen Bühnenshows waren echte Hingucker, sie beleidigten das Publikum, sahen es finster und schweigend an oder droschen ihre wilden Songs wie gelangweilt runter, mal hämmerten sie auf Sperrmüll ein, den sie auf der Bühne auskippten, schmissen Autoteile ins Publikum, zerrissen Bilder von Adolf Hitler, ließen psychedelische Lichtkaskaden über die Bühne flirren und Bilder von Projektoren an die Wände schmeißen - nur einige Beispiele.
Auch für "Looking On" versuchten sie sich in trashigem Auffallen. Das fängt schon rein äußerlich an: das Cover zeigt britische Glatzen seriöser Herren, auf dem Innencover probieren zwei Brontosaurus mit verdrehten Augen und heraushängenden Zungen sich beim brotosaurischen Beischlaf. Usw.
Das dritte The Move Album präsentiert in seinen 7 teilweise überlangen Songs einen wilden Mix aus Hardrock, klassischen Splittern, überdrehten Celli und jaulenden Gitarren. Jeff Lynne ist hier das erste Mal zu hören, ebenjener hatte sich sogleich kompositorisch und mit heftigem Gesang eingebracht, er spielt wie Roy Wood messerscharfe und überlaute Gitarrensoli, klimpert auf einem Western-Piano herum und singt durch ein Megaphon. Roy Wood lässt gar Oboe und Sitar wie gefährliche Heavy-Metal-Instrumente klingen, seine Soli sind laut und wild, brennen in den Ohren. Neben ohrenbetäubendem Krach zelebrieren Roy Wood, Jeff Lynne, Bev Bevan (dr, perc) und Rick Price (b) beatleske Harmonien, softe Popsongs und schmalzigen Kitsch, die sie in schwere, überlaut brachiale Hardrockpassagen münden lassen.
Jetzt gibt es dieses Meisterwerk früher Rockmusik digital remastert auf CD, ergänzt um 7 (!) Bonustracks, die Spielzeit kommt somit auf fast 68 Minuten. Im informativen und umfangreichen Booklet kann man sich Story und Bilder zu Gemüte führen und Einblick in das Leben der freakigen Band nehmen.
Übrigens hat die Band sich niemals aufgelöst. Bereits 1970 blieben nach dem Weggang weiterer Bandmitglieder nur noch Wood, Lynne und Bevan übrig und begannen unter dem Namen The Electric Light Orchestra zu musizieren, wo die ursprüngliche Rockwildheit, wie allgemein bekannt, alsbald in soften Schmusepop umkippte.
Hoffentlich folgen die weiteren Alben der The Move als Reissues alsbald!

VM



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