Mike Keneally "Wing Beat Fantastic" (Exowax Recordings 2012)

Very lazy, die entspannte Pop-Seite von Mr. Keneally. Und längst nicht weniger aussagekräftig als sonst alles, was er da macht: Songs schreiben & arrangieren, Gitarrenlicks, Texte (etwa "You kill me") schreiben, und die sanftmütige Schöngeistigkeit des Coverartworks. Glückwunsch! Diese Arbeit ist gut geworden!
Beatleske Harmonien, gut abgehangener Groove, am Horizont vorbeiziehendes jazziges Flair, ein wenig nostalgisch klingende Melancholie, wie uralte Äste am Baum sitzende knorrige Gitarrensoli und eine Band, die jeden Ton mit warmherzig erwachsener und zugleich kindlicher Spiellust intoniert. Selbst in härteren/kniffligeren Songs, wovon ein paar Stück im Album angebracht und die nicht ganz so eingängig sind, sich keneallyesk geben, scherzhaft zugeknöpft und rätselhaft zu lösen/öffnen sind, wo die Chose satter rockt und technischer ins Komplexe übergeht, bleibt die Grundstimmung wie Sonnenuntergang zu Herbstbeginn, kalt zwar, aber farbenfroh bunt und frisch wie Apfelkuchen mit Streuseln.
Manches Thema/mancher Song hat das Keneally-Gen ganz deutlich, hier und da kommen Erinnerungen an seine älteren Song auf: Gesangspartien, Chor- und instrumentale Arrangements, seine Art, Gitarre zu spielen, seine Gitarrensounds, seine Stimme und seine Art, zu singen, das ganze Songgefüge. Und doch ist alles neu, kopiert Mike Keneally sich nicht selbst.
Über die vielen Jahre hat er enorme Entwicklungen genommen, nur mal allein seine Soloarbeit im Fokus. Zappaeskes, Avantrock, Jazzrock, progressive Abgründe und der grandiose Schmelztiegel "Dancing", einer seiner Höhepunkte, was vielleicht auch an der versammelten Band gelegen haben mag, einige der damaligen Mitarbeiter sind immer noch und wieder mit an Keneally-Bord, etwa Stammgastmitarbeiter Bryan Beller, nicht mehr neuerdings ebenso Nick D'Virgilio, Marco Minnemann - oder Andy Partridge, der am Großteil des Songwritings beteiligt war (und ‚Drum-Loops' beiträgt).
"Wing Beat Fantastic" ist gar und ganz Erwachsenen-Rockmusik, nie belanglos, immer mit ausgefallenen Ideen; manchen Song spielte Mike Keneally allein ein - und es klingt großartig, als sei seine ganze Band dabei. In die Kategorie (halbgares) Einmann-Album kann schon deshalb kein Keneally-Album fallen, weil der technisch brillante und in allen Soundvorstellungen, handwerklichen und sonstigen Studiokategorien ausgefuchste Musikus alles drauf hat, was man so drauf haben kann und muss und gewiss böse Fallen und Eigentore kennt. Das hat er mit der Fülle Alben und Mitarbeit an zahllosen Projekten übereifrig bewiesen und tut dies jetzt und hier ein weiteres Mal.
Now: Zurückgelehnter Sound für das in die Jahre gekrochene alternative Musikpublikum, das in seinem persönlichen Musikpalast neben Jazz, Progressive Rock und Klassik ausgefallene Musik sammelt/beherbergt, die keine Kategorie bedient und über aller Erwartungshaltung einfach schick und gut und angenehm ist.
Immer noch Rock'n'Roll.

VM



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