Lo-Fi Resistance "Chalk Lines" (Burning Shed, 28.12.2012)

Ist es ein Karriere-Risiko für Lo-Fi Resistance aka Randy McStine, sich als 24-jähriger Jungmusiker in ein für ihn uraltes Label zu stürzen, wie es Progressive Rock mittlerweile ist? Die Inspiration liegt hier, das ist deutlich. Und doch: der begabte Komponist und Multiinstrumentalist, der eine Horde Gastmusiker für dies und jenes orderte, will nicht in das übliche, allzu typische Cliché fallen. Im Progressive Rock sind die Fan-Ansprüche und die Klassiker-Vorgaben vielfach bewiesen, und doch ist dies immer noch ein Ding, das süchtig macht und stetig Neugierde gebiert. Zu welcher nachgewachsenen, der wievielten Prog-Generation mag der New Yorker gehören? Selbst die 80er Neo Progger sind alte Säcke, aus seiner Sicht. Und was in den 90ern für ein erneutes Aufblühen sorgte, ist auch schon wieder alt - und damit die Musiker, die das Refreshing so emsig und hinreißend reich machten. Prog Metal? Nichts Neues mehr. Ein gestandener Zweig, der schon viel in die Rentenkasse einzahlte. Alternative? New Artrock? Werden lau, biestig oder prüde (Ausnahmen bestätigen). Wie alt Progressive Rock eigentlich ist, sagt ‚Retro' - was von ebenso alten Musikern zelebriert wird. Bei Charly ist Progressive Rock zur Avantgarde geworden, weil alles andere schon da war. Andere Festivals lassen sich von symphonischer Leichtigkeit unterhalten, die kaum halb so gut ist wie die alten Klassiker, die Jeder auswendig kennt. Was gibt's noch? Die Pop-Geschichten, die ‚irgendwie' zum Prog gerechnet werden, wie Coldplay, Porcupine Tree, Ulver, Sigur Ros, Radiohead, Gazpacho - nothing new under the sun, Softcore für die Urenkel.
Und wofür steht Lo-Fi Resistance? Für Soft Poprock mit melodischen & manchmal leicht heftigen Prog Sprengseln. Gut komponiert, schön gespielt, nett anzuhören. Eine Herausforderung eher nicht. Es sei denn, den fast schlagerhaft süßlichen Gesang zu ertragen, der zwischen der ‚progressiven' Instrumentalarbeit viel Platz einnimmt.
Wenn 10.000 Feuerzeuge im Takt vor der Bühne ihr Licht werfen und die Augen der Mädchen leuchten, der Sonnenuntergang so schön und alles nur gut ist!!! - Für alte Knacker wie VM ist so ein schmalziger Schmarren nix.
Meine 81 Jahre alte Mutter hört die Beatles, Django Reinhardt & Zigeunerjazz - und die sind kratziger, heftiger, intensiver, witziger, frischer. "Chalk Lines" ist ein nettes Popalbum mit was paar Rockanteilen. Gut komponiert, schön gespielt, nett.

VM



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