Layla Zoe "Sleep Little Girl"
Tommy Schneller "Smiling For A Reason"
(Cable Car Records 2011)

Keine Ahnung, warum in der geräumigen und gut eingerichteten Gehirnzelle in meinem Kopf der Name Henrik Freischlader gemeinsam mit einem anderen sitzt: Joe Bonamassa. Gut, beide sind aktuelle, erfolgreiche und ungemein begabte Bluesrock-Gitarristen, und beide tun sich neben ihrer solistischen Arbeit in diversen Bands und Projekten hervor. Aber beide haben unterschiedliche Handschriften, Stile und Ideen - in der gemeinsamen Basis Bluesrock. Die Alben von Layla Zoe und Tommy Schneller sind unter intensiver Mitarbeit Henrik Freischladers entstanden. Für beide Alben hat er Songs geschrieben, die Aufnahmen produziert, beiden Künstlern seine breitschultrige Basis und Unterstützung gegeben und vor allem - diverses Instrumentarium bedient. Ohne sich in den Vordergrund zu drängen, sondern stets dem dienlich, was beide Künstler brauchen: die richtige Basis, nachvollziehbare Struktur, farbenfrohes Arrangement, lebhafte und liedhafte Songs, die knackig, funky und heavy sind, intensiv und rasant, und die den Kopf schütteln und die Beine wippen lassen.
Im Booklet zu Layla Zoes Album "Sleep Little Girl" ist sie als kleine Göre mit ihrem haarummantelten Hippievater zu sehen. Er spielt Gitarre, sie schaut zu. Dieses Bild und die Erinnerung an ihren Vater muss ihr tief eingebrannt sein. So tief, dass sie selbst zum Hippie wurde, den liedhaften, dreckigen, schweren und eingängigen Blues liebt, der Soul, Funk und Rock in sich pulsieren lässt. Ein wenig erinnert sie an Janis Joplin, wenn ihre Stimme auch nicht die whiskyschwangere Dreckigkeit besitzt, so hat sie doch Tiefe, Härte, Ausdruck und Kraft. Das passt zu Jazz und Rock wie zu Soul und Pop. Dass die 10 Songs, die sich auf 47 Minuten summieren, kein mainstreamiger Allerweltssound wurde, ist ihrer Intention und der begnadeten Handschrift Henrik Freischladers zu danken - sowie Moritz Fuhrhop, der mit seiner Orgel im mit 4 Minuten viel zu kurzen "Let's Get Crazy" zu sleazy Boogie ansetzt. Höhepunkt der reichen Platte ist das über 9 Minuten lange "Black Oil". Lässig und schwer rollt der Blues dahin, im Off schwingt ein nostalgischer Gedanke an den Mittsiebziger Peter Green mit und der ausgezeichnet vollmundige Song treibt die Tränen in die Augen, spätestens wenn Layla Zoe zu singen beginnt und die bislang instrumentale Eleganz eine neue Dimension aufmacht. Gänsehaut!
Heftige Rocker, melancholische Balladen und frische Abgehnummern machen die coole Platte zum besonderen Erlebnis. Erstklassig produziert, muss der Hut vor der Dame und Joe, Quatsch, Henrik Freischlader runter vom Kopf. Hochachtung! Diese Platte muss beachtet werden - - - !

Und dann ist da noch das zugleich aufgelegte, nicht weniger eindrucksvolle Album des Saxophonisten und Sängers Tommy Schneller. Das Cover könnte irritieren, wenn es auch nur den Spaß Tommy Schnellers zeigt, vor glücklichem und schönem Publikum bis in die Ewigkeit spielen zu wollen. Die Produktionsarbeit von - Henrik Freischlader setzt auf brassige Klänge, die bisweilen an frühe Chicago erinnern, indes nicht im Rockkleid wie bei genannter Band, sondern auf breiter Basis aus Blues, Funk, Jazz und Soul. Die Songs sind wie die schicken Ladies auf dem Cover und im Booklet. Da bleibt nichts, als allen Griesgram sofort zu vergessen und glückselige Entspannung zu üben. Die Songs ziehen entfernt über Irland hinweg, haben einen folkigen Touch, satte Schwere und bluesrockige Basis, in der Henrik Freischladers Gitarre unter dem Tongebirge des Gesänges und Gebläses wildern kann. Die Köpfe wippen, die Beine tanzen, funk is everywhere, und so leicht und locker die Songs sind, so wenig oberflächlich sind sie. Nichts ist auf Pop getrimmt, nichts auf aalglatte Eingängigkeit, die Songs haben Ecken und Kanten, und funktionieren gerade deshalb - gewiss auch beim großen Mainstream-Publikum gut, weil sie ehrlich und lebhaft sind, sich nicht anbiedern, sondern in aller Frische und Natürlichkeit überraschen und überzeugen. Der Sound klingt eher nach Anzug als nach Arbeitsklamotten, mehr nach Uni als nach Abrisshaus und ist doch nicht aufgesetzt und bieder. Tommy Schneller besitzt Bühnencharme, der wird es, erinnere ich mich an die längst verloschene Stimme meiner Tante Lonny, noch weit bringen. Bleibt zu hoffen. Dem steht nichts im Weg. Die Show mag beginnen:

VM



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