Krokofant "Krokofant II" (rune grammofon, 08.01.2016)


Tom Hasslan (g), Axel Skalstad (dr) und Jørgen Mathisen (sax) legen 6 neue Tracks vor. "Krokofant II" ist 44:03 Minuten lang, alle Tracks dauern etwa zwischen 6 und 7 Minuten. Wie auf dem Debüt rockt das Trio mit viel PS auf hoher Geschwindigkeit. Es kracht gewaltig und macht ungemein Laune. Der kurze Blick meint, Deep Purple und Peter Brötzmann haben Spaß miteinander und bringen das auf die Schnelle auf Konserve. Der Deep Purple - Effekt liegt in den ausgefeilten Gitarrensoli, die Blackmore-Charakter haben, in Sound und Spielart. Der Brötzmann-Effekt kommt aus den Saxophonsoli, die ebenso wild, leidenschaftlich und laut sind die der Gitarre. Dazu poltert und dröhnt der berstend wilde Schlagzeugbereich, das es einiger guter Nerven bedarf, diesem illustren Krach geneigt zu lauschen.
In den nichtsolistischen Strukturetappen, wenn die Band das komponierte Material gemeinsam ausarbeitet und wie wild gewordene, unter Drogen stehende Mordsgesellen im Schlachthaus ‚arbeiten', sind die Strukturen vielschichtiger, jazziger, komplexer als im solistischen Bereich.
Da sind Anklänge an Terje Rypdal und das Mahavishnu Orchestra ebenso auszumachen, wie an King Crimson oder Henry Cow, auf exegetische Sicht. Kenner dieser Krachmacher wissen, was ich meine. Das Ergebnis ist ein äußerst erfrischender, recht derber, anarchisch unbremsbarer Psych Prog Jazzcore mit doomigen und freejazzigen Molekülen und allerlei ungewöhnlichen, dabei verblüffend stillen und lyrischen Momenten, in denen schwer komplexe Modelle entworfen - und gleich wieder zerstört werden.
Sobald einer der drei Beteiligten zum Solo ansetzt, unterheben die beiden anderen mit schwer düsterer Attacke in rhythmischer Ekstase das unstillbare Unternehmen, bis das Solo ausgelatscht und leergespielt ist, wobei der Zuhörer partiell der Meinung ist, von diesem Rausch ebenso zerlatscht und ausgelutscht zu werden, weil die Musikmaschine mit solch ungemeiner Gewalt und hingerissenen Dramatik aus den Boxen prescht.
Kurz: für Freunde des Schönklanges ist dies Folter, für Avantprog-Süchtige, Freejazzer und Charlyfestivalbesucher angemessene Nachmittagsmusik.
Empfehlung und aus.

runegrammofon.com
VM



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