Iceberg "Coses Nostres" (Picap Records 2003)

Iceberg war DIE Jazzrock-Band im Spanien der 1970er Jahre. Von 1975 bis 1978 veröffentlichte das Quartett 5 Platten, deren drei erste zum Besten gehören, was im progressiven Jazzrock jemals veröffentlicht wurde. Der geniale Gitarrist Joaquim "Max" Sunyer hatte bereits vor Iceberg in diversen Bands gespielt - und sollte danach an etlichen weiteren Projekten beteiligt sein. Josep "Kitflus" Mas (p, org, moog, mel) war Max´ kongenialer Gegenspieler, bis heute sind beide gemeinsam in Pegasus aktiv. Primi Sancho (b) und Jordi Colomer (dr) waren nicht nur das rhythmische Rückgrat von Iceberg, sie waren ebenso wie die beiden Melodie- und Solo-Experten expressive Musiker, die vital und stürmisch musizierten, mit einer Energie und Hingabe, die ihresgleichen sucht. Iceberg wurden dann auch das spanische Mahavishnu Orchestra genannt, Max Sunyer die spanische Antwort auf John McLaughlin. Ebenso wie das weltweit bekannte Pendant waren Iceberg an einer frappierend energischen Musik interessiert, die sie mit fabelhafter Kunst zu schaffen wussten. Iceberg meisterten die ungeheuer virtuosesten Partituren mit bewundernswerter Perfektion und zogen die Prog Freaks der 1970er reihenweise in ihren Bann. "Coses Nostres" von 1976, 2. Album der Band, war ein grandioser Höhepunkt. Jazzharmonien, symphonische Melodien und harter Rock verschmolzen zu einer dynamischen, exzellenten, an Klangfarben reichen und ungemein spannenden Musik. In langen Songs entwickelte die Band komplexe Strukturen, die die Hörer in ein Wechselbad der Gefühle tauchen. Eben noch floss ein entspanntes, dennoch höchst komplexes akustisches Motiv dahin, episch, lässig, melancholisch, da bricht mit abrupter Note harter Rock mit furioser Energie und Spannung hervor. Max´ folgendes Gitarrensolo scheint von einem anderen Stern zu sein, die Band setzt mit fettem Sound ein, nur von der schneidenden, rasanten Gitarre übertönt.
Und so setzt es sich fort. Die Ideenvielfalt ist beispielhaft, die Komplexität berauschend, die Musikalität hinreißend. Bereits 1997 gab es ein CD-Reissue dieser grandiosen Platte, leider mit anstrengendem Sound, die Gitarre war überpegelt und kratzte harsch. Dieser Fehler ist mit der neuen Auflage wettgemacht. Bleibt zu hoffen, dass die anderen Alben von Iceberg im gleichen hervorragenden Klang folgen.

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Erhältlich in Deutschland bei: daniel@galileo-mc.de
VM



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