Hślderlin "8" (Emi Music, VÖ: 09.03.2007)

Im ersten Moment erinnert mich die heuer frische Hślderlin-Inkarnation an das zarte Stimmwunder Petronella Nettermalm der schwedischen Landberk-Nachfolge Paatos. Und auch was die instrumentalen Stimmungen und Sounds betrifft, liegen die neuen Hślderlin wie Paatos - mit ihrer markant singenden Frontfrau Ann-Yi Eötvös (die zudem Violine spielt) - im versponnen symphonisch-trippigen Artpop-Zeitgeist genau dort, worauf die Fans just ihren Blick arretiert haben.
Hślderlin sind heute Andreas Hirschmann (p, keys), Dirk Schilling (g), Hans Bäär (b, g, voc), Michael Bruchmann (dr) und besagte Ann-Yi Eötvös (die auch schon dem Klassiker Peter Eötvös ihren Sopran lieh) - und gewiss kein krautiges, rückwärtsgewandtes Unternehmen (was als 1-CD-Gag funktionieren würde, um sodann für immer in den Annalen zu verschwinden), sondern eine aktive und erstaunlich frisch musizierende Band, die keine Angst vor der Zukunft hat und sich, als hätten sie dies stets getan, selbstbewusst in Szene setzt.
Romantisch sind die Songs immer noch, und von einer schmelzend perlenden Düsternis durchzogen, die aus dem Kontrast episch-melancholischer Pop-Symphonik und der glasklaren und lichthellen Stimme Eötvös lebt. Doch auch die männliche Stimme von Hans Bäär im 8-minütigen Laszivitätsblues "You" überzeugt mühelos. Der alt-neuen Band ist mit den 10 Stücken von "8" ein sehr schönes, eingängiges, lyrisch-leises und stilles Album gelungen, das selbst in Momenten, die lauter und härter rocken, immer eine Vorliebe für verhangen-sphärische Stimmungen hat.
Gewiss ist dies kein Aufbau auf die ersten vier symphonischen, jedoch auch nicht auf die 2 Popalben der Band. "8" ist ein Neuanfang, nicht von hinten durch die Brust ins Auge (was allein die Nutzung des Namens etwas andeutet), sondern forsch und mutig und vital - keine Altherren-Reunion im seligen Biergeist, sondern ein Überholmanöver mitten der ambitionierten, modernen Rockmusik.

VM



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