Henrik Freischlader Band "Live in Concerts" (Cable Car Records 2013)

Das ist mal ein volles Programm! Dicke Digi-Box, auf dem Rücken der vierten CD das schicke Booklet - überwiegend Bilder darin, sowie technische Angaben. 2 komplette Konzerte sind enthalten, auf den ersten beiden CDs die Show No. 47, auf den beiden anderen die Show No. 27. Überschlagen rund 270 Minuten Bluesrock auf hochenergetischem Level. Gewiss gibt es Song-Überschneidungen: 4 Songs, aber allein "Breakout" betrachtet, sind die Unterschiede überdeutlich.
Die 47. Version ist 13:23 Minuten lang, während in der 27. die Band über 23:42 (!) Minuten kocht, würzt und brät. Und selbst wenn die jeweils beiden Versionen von "The Bridge", "I Loved Another Woman" und "Longer Days" sich zeitlich weniger unterscheiden, so waren sie doch Teil beider Shows und machen zusammen einmal 26, einmal 28 Minuten aus - bei der Materialfülle kaum die Masse und jeweils in beiden Fällen nur unbedingt notwendig. Nicht allein der Energie der vollständigen Show wegen, sondern weil die Band in beiden Versionen wie beiden Gesamtkonzerten großartig aufspielt. Show No. 47 gibt es zudem bereits auf DVD, wer also meint, das habe er ja schon alles, wird hiermit ausdrücklich vom Zwangskauf freigesprochen.
32 Songs sind auf den 4 CDs. Balladen mit großer Geste, knackfrische Stampfrocker, satter Blues, Soul und Funk, in allem ist die Band so akkurat und stringent unterwegs, wie sie leidenschaftlich und ausgelassen musiziert.
Neben Namensgeber, Sänger und Gitarrist Henrik Freischlader sind Björn Krüger (dr, back-voc), Theofilos Fotiadis (b, back-voc) und Moritz Fuhrhop (keys, Hammond org) Teil der Band, die da ausgeschlafen und unprätentiös im Blues stehen und den Sound so lässig und groovy spielen, als seien sie damit aufgewachsen. Sobald Henrik Freischlader zum Gitarrensolo ansetzt, kann sich alles verändern. Aus melancholischer Lyrik wird scharfkantige Rockhärte, sein Gitarrensound kann sägen! Wer es ausgedehnt und Gitarrensoli satt mag, liegt hier richtig. 7 Songs laufen länger als 10 Minuten, weitere liegen nur kurz darunter, und zwei Songs ("Bad Dreams" 27:07, "Breakout" 23:42) bringen es zusammen auf über 50 Minuten.
Die Henrik Freischlader Band zitiert gewiss Blues-Schemata der guten alten Zeit des Bluesrock, ab Mitte der Sechziger bis Mitte der Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts, hat aber eher eigene Attitüde, eigenen Charakter. Rhythmus, Tastenarbeit und Bass klingen kaum wie die Größen des (weißen) Bluesrock, sondern weitaus schwärzer und älter. Viel Soul steckt in den Song-Genen, und wie die unglaublich ausgeschlafene und lässig agierende Band ihre harten und melancholischen Songs spielt, reicht von Blues und Hardrock über Rhythm 'n Blues und Pop bis Soul und Funk ins tiefste Amerika hinein.
Wenn ihr die Henrik Freischlader Band in eurer Stadt, eurer Kneipe erleben könnt, nichts wie hin. Die halbe Fahrkarte in die USA ist damit hinfällig.

VM



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