Henrik Freischlader "House in the woods" (Calbe Car Records 2012)

Der die CD eröffnende Titeltrack hat das Zeug zum Hit. Die technisch erlesene Band spielt das knackfrische, markante und lässige, gut abgehangene Stück scharfkantigen Blues-Funk-Soul-Rock mit entspannter Verve und Groove-betonter Hingabe. Und wie hier nimmt die Band sich stets auf ihrem neuen Album zurück, lässt die Songs rollen und fließen, um stets mit Extraideen ins freie Feld zu schießen. Da sind etwa eingängige Unisono-Rhythmen, Funk-triefende Orgeleinschübe oder - vor allem - die stets enorm eindrucksvollen Gitarrensoli. Und diese sind es, die den Songs die besondere Note geben. Schneidend sacharf wie im Frühsiebziger Hardrock, energisch und schnell gespielt, hochemotional als kurze große Ekstase - so beweist Henrik Freischlader, warum sein Name auf dem Cover steht, warum er bekannt und begehrt ist, warum die Fans ins Konzert kommen und danach mit glühenden Sinnen ins weitere Leben schweben.
Die fabelhafte Band an seiner Seite, Björn Krüger (dr, back voc), Theofilos Fotiladis (b, back voc) und Moritz Fuhrhop (hammond, keys), macht seine energisch ausgeruhte Arbeit ausgezeichnet. Die flüssig locker derben Arrangements mit Schnoddrigkeits-Appeal machen die 9 kurzen und den einen langen Song mit eigenwillig verschrobener, charakterstarker Note zu lebhafter und relevanter Musik.
Relevant? Ja! Der heutige medienübervolle Alltag, wo jede Tankstelle und jeder Klamottenladen mit Allerweltspoplärm nervt und dämliches Gedudel Musikgeschmäcker zubetoniert, braucht ausgefallene, lebhafte Musik, die inspiriert, kraftvoll und überzeugend wirkt und nicht den Lärmkosmos weiter überfüllt, sondern anders herum wie rote Blutkörperchen arbeitet: Müll abbaut, Nerven lindert und Spaß an echter Musik aufbaut. Und das kann nur Musik, die sich nicht an Zeitgeist und Abfallsound orientiert, sondern der Inspiration der eigenen Kreativität und anarchischem Ausdruckswillen vertraut.
Die grandiosen Gitarrensoli sind (fast) perfetto (zu kurz), das nonchalante Stimmorgan hat Charakter, die Band schmunzelt in gut abgehängter Schwerstarbeit, die Kompositionen sind nix Allerwelt, sondern voll Schmackes und Idee und haben - wie im ersten Track - Hitpotential (für echtes Musikradio): das Haus im Wald (weit weg von Tankstellen und Klamottenläden) sollte eure Aufmerksamkeit erregen.
Was mir fehlt? Längere Instrumentalintermezzi (die vielleicht für die große Meute Zuhörer zu ausgefallen wären?), und gewiss auf der Bühne stattfinden.
Allerschönste Stelle auf der ganzen Platte: am Ende von "Take the Blame" der sich wiederholende schick bergab purzelnde Melodiebogen. Zum Hinhören.

VM



Zurück