Giles, Giles & Fripp "The Cheerful Insanity of Giles, Giles & Fripp" (Decca 1968, Eclectic Discs 2005)

Mancher King Crimson Fan mag es nicht glauben, aber es gab ein Leben vor der Band. Und das klang ganz und gar noch nicht so wie King Crimson. Aus dem exzellenten Gitarrenspiel Robert Fripps in diesen Psychedelic Popsongs lässt sich nichts von der grandiosen Musik lesen, die King Crimson ab einem Jahr später spielen sollte, wenn auch eine Idee von der Filigranität der späteren Songs nachvollziehbar ist, aus heutiger Perspektive (Fripp trug gewiss schon eine Idee zukünftiger Musik mit sicher herum, ein Jahr vor KC).
Die ganze Geschichte des Trios soll hier nicht nachvollzogen werden, das kann das Booklet viel humorvoller und besser. Soviel jedoch: die Giles-Brüder suchten einen Keyboarder, der singen können musste. Fripp kam das zu Ohren. Obschon er Gitarrist war, der nicht singen konnte, fragte er an. Das Trio spielte einen Monat zusammen. Danach war Robert Fripp engagiert und die Band zog nach London, wo sie nicht als die kommende Attraktion gefeiert wurde, sondern sich durchschlagen musste.
Aber das Trio hatte die Aufnahmen aus Bournemouth mitgebracht und reichte sie überall herum. Eine Kopie erreichte Decca, deren A&R Mann davon begeistert war und die Truppe für das "esoterische" Unterlabel Deram unter Vertrag nahm. März 1968 gingen Michael Giles, Peter Giles und Robert Fripp mit Geigern, Bläsern, Keyboardern (u.a. Nicky Hopkins) und einem Damenchor (The Breakaways) in ein Decca Studio, um ihre Ideen einzuspielen.
Eine Single wurde veröffentlicht, die nur geringen Absatz fand. Im Juni 68 kamen ex-Fairport Convention Sängerin Judy Dyble mit ihrem Keyboard und Flöte spielenden Freund Ian McDonald nach London, mit denen Giles, Giles & Fripp einige Konzerte bestritten. (Und wie man sieht, rollen hier schon die Steinchen für King Crimson auf die entscheidenden Plätze.)
Die Songs für die LP waren bald darauf fertig. Judy Dyble ging zu den Folkrockern Trader Horne und der Lyriker Pete Sinfield stieß zur Band. Im September 68 kam "The Cheerful Insanity of Giles, Giles & Fripp" heraus, darauf enthalten zwei ziemlich verrückte, schwarzhumorige Stories, die jeweils in verschiedene Parts unterteilt sind. "The Saga of Rodney Toady" auf Seite 1 und "Just George" auf Seite 2 waren musikalisch leichtfüßig, da flossen viele klassische Harmonien mit Jazz, psychedelischem Pop und grandiosem Harmoniegesang ineinander. Allein das schrecklich schlagerhafte "The sun is shining" von "Just George" kann man nur ertragen, wenn man das Gesamtwerk hört und die Story, die leider nicht im Booklet abgedruckt wurde, nachvollziehen kann.
Ein typisch britisches Werk, die beiden Stories sind intelligent geschrieben und total schräg, dabei stets hervorragend interpretiert und exzellent betont. Zudem kann man hier und dort ("Suite No. 1") schon die Fähigkeiten entdecken, die Robert Fripp an der Gitarre entwickelte, und die ihn in der Folge weltberühmt machen sollten.
Obwohl das Album überhaupt keinen Erfolg hatte, brachte Deram eine weitere Single heraus. Im Oktober ging die Band ein weiteres Mal ins Studio, um noch ein paar Tracks aufzunehmen, aber nichts ging mehr und der Decca Vertrag ging in die Brüche. Peter Giles verließ seinen Bruder Michael, Fripp, McDonald und Sinfield, brachte aber den in Bournemouth geborenen Greg Lake dazu, in die Band einzusteigen, die von dem Rest just gegründet worden war: King Crimson. Zu Beginn 1969 standen King Crimson im Londoner Speakeasy Club das erste Mal auf der Bühne…
Die Eclectic CD ist fast 60 Minuten lang und wird mit 6 Bonustracks angeboten. Damit ist alles Studiomaterial der kurzlebigen Band enthalten.
Die CD ist im Besonderen für Rockhistoriker, King Crimson Fans und Interessierte verrückter, schwarzhumoriger Texte interessant. Schön, dass es dieses schräge Teil endlich in würdevoller Form zu erwerben gibt.

VM



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