Sara Gazarek "Return To You" (MP Media Germany, VÖ: 05/2007)

Jazz-Pop ist nicht die weiche Variante des Jazzrock = Fusion, davon ist "Return To You" weit entfernt. Der Jazzpop von Sara Gazarek und ihrer Band Josh Nelson (p, org, Glockenspiel), Erik Kertes (acc-b, g, Guitarlele) und Matt Slocum (dr) ist ein zeitgemäßer, frischer Mix aus fröhlich-leichter Popattitüde und konservativ-akustischem Jazz. Das Gute daran: der Jazzanteil ist authentisch, wird nicht durch die Wucht oberflächlicher Poparrangements verwässert oder eingeschränkt. Und dennoch ist hier alles Pop, alles Zeitgeist.
Ganz anders als Sade, die zu Beginn der Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts erotischen Jazz intonierte und begnadete Eingängigkeit bewies, wagt sich The Sara Gazarek Band durchaus in echte Jazzgefilde mit Saxophonsoli, eigenwilligen, zarten Pianospielereien und himmlisch knarrenden Basstönen.
Die Arrangements auf dem Teppich luftiger Pop-Rhythmen, jazzig akzentuiert und dennoch das einfache Rhythmusverständnis befriedigend, ohne weitere wirkliche Herausforderung oder extravagante Forschheit, schmeichelt sich wohl ein. Die Dame mit der Stimme gibt sich keinem "fragile female pop" hin, sondern singt mit tollen Gesangslinien gegen die Leichtigkeit, zudem ist ihr feines Stimmchen nicht Pop-kompatibel, sie singt "zu gut", ihre Stimme hat eigenen, starken Charakter, was der Pop-Fraktion unter den Musikneugierigen einiges Verständnis und "Einhören" abfordert.
Hier werden zwei Welten ganz ausgezeichnet und ganz modern miteinander verwoben, die es in allen möglichen Konstellationen schon einmal versucht haben - und jedes Jahrzehnt seine Variation finden lassen (eine dritte schaut hin und wieder still und leise vorbei - Streicher und Piano bringen eine süffig-süßliche Klassik-Note ein, die ins allgemeine Bild wie die Faust aufs Auge passt).
The Sara Gazarek Band sucht das Zarte, Weiche, Lyrische, versucht sich nicht an Experimenten, aber geht mit ihrer Vorstellung von Jazz in die Tiefe. Das ist außerordentlich wohl gelungen und könnte Vorbildcharakter entwickeln. Die Akustikgitarren-Lady im Hippie-Look könnte so durchaus von der Piano spielenden Jazz-Dame im Wir-sind-Helden-Look abgelöst werden.
"Return To You" hat noch eine ganz andere Erkenntnis parat: je mehr Musikstile in der Popmusik aufgehen, umso mehr gehen sie darin unter, sobald die Mode vergangen ist.
Auf alle Fälle wird der Lärm des Abendlandes mit dieser Platte nicht nerviger, sondern wohliger.

saragazarek.com
VM



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