Pierrejean Gaucher "La Fontane & Le Gaucher" (Nocturne Records 2005)

Pierrejean Gaucher gehörte seit 1979 mit seiner Band Abus Dangereux zur nachwachsenden Jazzrock-Generation Frankreichs. Nach dem exzellenten Debüt "le quatrième mouvement" im ersten Jahr folgten etliche weitere Alben, die nach den ersten Einflüssen Magma, Zao und Gong mit den Jahren vermehrt einen ganz anderen Einfluss deutlich werden ließen: Frank Zappa. 1991 wurde das letzte Album der Band, die seit 1986 unter dem verkürzten Namen Abus arbeitete, veröffentlicht. Pierrejean Gaucher, Gitarrist, Komponist und Kopf der Band, machte seit 1992 unter dem Namen New Trio und schließlich seit 1997 unter eigenem Namen weiter. Auf den CDs seit New Trio sind stets Zappa-Covers enthalten, schließlich hatte "Zappe Zappa" 1997 komplett nur eigene Versionen von Zappa-Kompositionen drauf. In den letzten Jahren war es zumindest in Hinsicht auf kommerzielle Veröffentlichungen stiller um Pierrejean Gaucher geworden. Bis auf das 2002er Livewerk "Live im Stollwerck", das fast komplett Zappa coverte, war seit 2000 ("Phileas Band") keine neue CD erschienen.
Da passt es den Fans gewiss ausgezeichnet, dass das 50 Minuten lange "La Fontane & Le Gaucher" ein ganz besonderes Album geworden ist. Sämtliche Musik hat Pierrejean Gaucher selbst komponiert und mit diversen Musikern eingespielt. Die 16 Tracks erzählen eine ähnliche Geschichte wie FZs "The Adventure of Greggery Peccary", die französischen Lyrics sind jedoch auch im Booklet, bis auf das englischsprachige "The Grasshopper and the Ant", nur in französischer Sprache abgedruckt.
Die CD ist in ein buchförmiges, 2CD hohes Format verpackt, dass als Comic aufgemacht ist. Enthalten ist ein 28-seitiges Booklet im Comic-Stil, das gleich diverse verschiedene bekannte Cartoonzeichner gefertigt haben, so Arthur Suydam, Michel Gaudelette, Frédérik Salsedo, Eric Cartier und Réné Hausman, die jeweils einige Parts der Lyrics im eigenen Stil interpretiert haben. Allein die Comics sind die Box wert, die Stories sind anschaulich gezeichnet und zeigen die frechen, lebhaften, witzigen Ideen exzellent.
Musikalisch ist das Werk sehr jazzbetont und kann eigentlich gut als Electric Rockjazz bezeichnet werden. Obschon es viel Gesang gibt, sind die Songs doch nicht eingängig, sondern ausdrucksstark und komplex. Zappa hat auch hier seine Inspiration hinterlassen. Besonders toll finde ich die Unisono-Parts von Gesang und elektrischer Gitarre, aber auch die komplexe Rhythmussprache des Werkes ist besonders hervorragend.
Niemals wird die Musik sehr heavy. Alles bleibt, auch in den aufgeregten und wilderen Parts, gelassen und entspannt. Neben den Zappa-Einflüssen gibt es hin und wieder französisches Chanson-Flair. Das Gros der Stücke jedoch ist freakig schräg und äußerst unterhaltsam. Schöne Posaunenläufe, elektrische Tastenarbeit leiser, aber schön disharmonischer Art treibt sich überall herum. Keine Heavyness, aber erheblich schräge Jazzarbeit steckt in den Knochen der Rocksongs, einige moderne Rhythmusparts (kein Techno!) sind witzig eingepasst und schmälern den positiven Eindruck der CD nicht. Auch wer der französischen Sprache nicht mächtig ist (so wie ich), kann der Platte gut lauschen. Die Musik an sich, und selbst der französischsprachige Gesang im Wettstreit mit den Instrumenten sind gute, anspruchsvolle Unterhaltung und nicht ganz nebenbei ein Zeichen dafür, dass Gaucher und Zappa immer noch gut miteinander können. Und das bleibt gewiss auch so!

pierrejeangaucher.com
VM



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