Fungus "Careful!" (Mellow Records 2006)

"Die spinnen, die Italiener!" - genau das hätte Obelix wohl gesagt. Fangen ihre CD mit einem einminütigen Songgeknutsche an, das nichts weiter als ein heiteres Nichts aus Keyboardsahnetorte ist. Im Anschluss daran lassen die Neopsychedeliker eine hübsche Dame ans Mikro, die die seltsam eingängigen und minimalistisch schlichten Stücke mit zarten Vokals veredelt. Dazu kann man im trauten Familienkreise schunkeln oder sich über den seltsamen Werdegang der Menschheit verwundern.
Selbst als "Dream # 3", so der Name des 2. Stückes, mittendrin unvermittelt an Härte gewinnt, was sich dann nach und nach wieder verliert, kann man der Note keine besonderen Eigenschaften zuordnen, als dass es laue Luft mit einem geflangerten Gitarrensoli ist. Im nächsten Stück rüttelt die Band an den Grundfesten der Menschheit, stuckert am Fundament der Sinne, lässt Blasen steigen und ist nach weniger als einer Minute wieder fertig damit. Welche Revolution! Die reinsten Schaumschläger. "8 Days" ist ein Lied für alte Damen, die am Wegesrand mal auf die Bühne schauen, um die junge Band mit der Dame am Mikro dort stehen und hören zu sehen. Da kommt Freude auf. Hübscher Gesang, hübsche Gesangslinie, welch Lied, welch Sonnenschein. Das Leben ist heiter. Das Leben ist schön.
Das sie solcherart Schnickschnack nicht in ausgedehnten 10 Minuten zu machen gedenken, zeigen sie uns im nächsten Stück "Share your Suicide". Da geht es düster zu Werke. Die Stimmung stammt aus dem Comicbuch, das unveränderliche Gitarrenmotiv schleppt das Stück in eine Endlosschleife, in der die Aufmerksamkeit verloren geht. Schon nett gemacht, nur etwas zu inhaltsfrei. Zwei Stücke weiter jedoch, im Titeltrack, gehen Fungus ein anderes Motiv auch über 10 Minuten in der gleichen Weise an. Zwar nicht viel harmonischer Inhalt, sondern nur nebulöses Geschehen, dass die Sinne wegkippen. Aber die Dame schreit und kreischt sehr anschaulich. Hat sie das bei Catherine Ribeiro gelernt? Oder bei Frank "Torture" Zappa? Musikalisch gibt es zum Letzteren keine Parallelen, eher zu Frühsiebziger Catherine Ribeiro.
Die beiden letzten Stücke sind wieder Minimalexkursionen; Elegien melancholischer Natur, einfallsreich, aber von seltsamer harmonischer Sprache. Das Schlagzeugspiel klingt irgendwie falsch, entrhythmisiert. Aber egal, diese Songs sind ganz passabel. Recht ungewöhnlich, was Fungus hier tun. Aber nicht wenig eindimensional und partiell völlig inhaltsfrei. Die Zielgruppe ist auf Psychedelic Rock spezialisiert und darf sich auf ein weltfremdes Freakstuff-Werk freuen, in dessen letzten Minuten schon wieder Pink Floyd die Hände im Inspirationsspiel hatten.

VM



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