Peter Frampton "Fingerprints" (SPV; VÖ: 08.09.2006)

Mit "Fingerprints" macht sich die Rocklegende Peter Frampton selbst ein Geschenk. Seit langem ging er mit der Idee schwanger, ein instrumentales Album einzuspielen, so wie es einst seine frühen Vorbilder The Shadows taten. Doch nicht nur für Frampton selbst ist "Fingerprints" ein Geschenk; das außerordentlich erfrischende, leidenschaftliche, eingängige und starke Instrumentalrockalbum ist großartig gelungen und für das Mainstream-Rock-Publikum von großem Interesse.
Der versierte Meister der elektrischen Gitarre, der in der Rockmusik für Eingängigkeit und Harmonie steht und trotz diverser Hardrock-Engagements eher die lichten, zarten Strukturen mag, die noch als knackige Rockmusik gelten, hat sich diverse Gäste eingeladen, mit ihm eigene Kompositionen, Traditionelles oder Fremdes einzuspielen. Stilistisch ist die CD weit gefächert. Die akustischen Stücke stammen aus Blues, Jazz, Zigeunerjazz und Worldmusic, haben emotionalen Tiefgang und sind dennoch angenehm und entspannend luftige und leichte Unterhaltung, ohne stupid zu sein. Peter Frampton versteht es außergewöhnlich gut, die zarten Stücke wohl zu gestalten. Sämtliche der 14 Songs sind meilenweit vom nächsten Kitsch entfernt. Die kraftvolleren Rocker haben Unterstützung in Matt Cameron und Mike McCready von Pearl Jam gefunden, die ihren Hit "Black Hole Sun" gleich mitgebracht haben, um daraus eine instrumentale Psychedelic Oper zu machen, die einmal mehr zeigt, wie grandios die Komposition, wie begabt die Instrumentalisten sind. Die elektrischen Gitarren schneiden sich tief ins Gedächtnis ein und könnten durchaus viel länger so weitermachen! Weitere Gäste sind der britische Saxophonist Courtney Pine, der mit Frampton den Opener "Boot It Up" spielt, eine flüssige Funk-Nummer auf tollem Groove. Wenn die DJs unseres Planeten mit dieser Art Tanzmusik aufwarten würden, könnten auch die Rocksklaven mal wieder die Bretter treten.
Hank Marvin und Brian Bennett von den Shadows sind in einer bezaubernd leichten Nummer dabei; Warren Haynes und Frampton spielen den "Blooze" und die alten Recken Charlie Watts und Bill Wyman unterstützen Frampton in "Cornerstones" ebenso bluesbetört. Paul Franklin lässt seine Gitarre jazztrunken singen und der exzellenteste Track der CD, das letzte Stück, ist die Zigeunerjazzballade "Souvenirs De Nos Peres", zum Weinen schön, ein ganz grandioses Stück ausdrucksstarker Musik, licht und beseelt, traumhaft, von einem lebhaft-witzigen Rhythmus, wie ihn Hänssche Weiss auf außergewöhnliche Weise so berühmt gemacht hat.
Und wenn "Fingerprints" ausgeklungen ist, bleibt eine fühlbare Leere, wie nach einem guten Film, wenn sich die Charaktere verabschiedet haben und die eigene Welt noch nicht wieder die Farbe und Luft hat, die sie uns verwandt macht.

VM



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