The Flower Kings "Carpe Diem - Live in USA" (Foxtrot Music 2008)

Am besten sind die schwedischen Blumenkönige um Sonnenblume Roine Stolt immer noch - oder immer mehr - live on stage. Kaum ein Song, der in seiner braven Studioversion ins Auditorium geschmettert wird. Hier vielleicht abgesehen vom Opener "Paradox Hotel", nun ja, der Song ist nicht so dolle. Und Hasse Fröberg braucht die Bühne, der Meute seinen Stampfanteil zu geben.
Danach wird es gut. Marcus Liliequist beweist ab dem zweiten Song, "Psychedelic Postcard", dass er weitaus mehr als schlichten Rhythmus spielen kann. Der hart rockende Opener endet und die Band beginnt. Richtig. Gewiss sind die Songs auf "Carpe Diem" an sich noch zu erkennen, bastelt die Band die Struktur ab, die Gesangspartien zu absolvieren. Aber dann. Dann geht es in die Tiefen intuitiven Jazzrocks. In die endlose Lyrik disharmonischer Ekstase und solistischer Eskapaden. Kaum noch bleibt etwas von der ursprünglichen Komposition stehen, die Band beweist ungemein Lust, sich ins Improvisative aufzumachen. Gut zu hören, dass Bandleader Roine Stolt seine Mühe hatte, die instrumentalen Jungs wieder ans Ruder, an den Song zu kriegen. Wo sie nicht lange bliebenů
Ein paar schöne alte Stücke sind dabei. "World of Adventures", "Just This Once", "Psychedelic Postcard" aus den, seufz, tatsächlich seltsam, guten alten Tagen. Gitarren-, Bass- und Schlagzeugsoli nicht allein machen die gute Figur. Einer der großen Stars des Abends am 16. Oktober 2006 in Whittier, im sonnigen Kalifornien, war der sentimentale Tastenjazzrocker Tomas Bodin, der nicht genug sphärische Lyrik interpretieren konnte.
Und gerade diese verträumt entspannten, leisen Passagen sind es, die ungemein fesseln und so viel schiere Macht in sich haben. Nicht erst in "Fish Soup", das als Drum- & Bass-Solo untertitelt ist, geht die Band weit vom Songformat weg in die kreative Weite. Marcus Liliequists Solo ist relativ kurz, und sehr unterhaltsam. Vermutlich hat der Trommelvirtuose mit seinem offiziellen Einstand zu "Paradox Hotel" einfach nur Pech gehabt. Und keine Frage, Jonas Reingold ist ein extraordinärer Bassist mit Hang zum solistischen Exzess. Mehr Livealben wie dieses bitte.
Wie wäre es, wenn die Flower Kings mal wieder ein Studioalbum in der radikaleren Form machen würden!?! Weniger Pop, weniger Eingängigkeit, mehr Jazz, mehr Retropolis, mehr Improvisation!
Bitte!

flowerkings.se
VM



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