Flo & Eddie "Illegal, Immortal And Fattening / Moving Targets" (Sony 1975/76, Evangeline/Acadia 2007)

Ist schon ein Kreuz, dass die Zappa-Süchtigen mit sich herumschleppen. Was ihnen der Meister als sein Eigenes präsentiert hat, gehört in ihren Dunstkreis, das gehört in die Sammlung. Irrungen und Wirrungen eingeschlossen.
Flo und Eddie aka Howard Kaylan und Mark Volman, die beiden Turtles, waren zu Beginn der 70er als ultrafreche, versaute und eklige Sänger bei Frank Zappa engagiert, sind auf dessen Alben "Chunga's Revenge", "200 Motels", "Live at the Fillmore 70" und "Just Another Band From LA" zu hören, wo sie kein Blatt vor den Mund nahmen und witzig und böse, schamlos und provokativ alle Themen durch den Kakao zogen, die ihnen in den Sinn kamen. Später haben sie sich dafür, zur Buße, gewiss monatelang in Klostern vergraben, um Vergebung für ihre lautstarken Sünden zu finden. Aber bevor sie zum christlichen Glauben, wie immer das auch passt, mutierten (so muss wohl gesagt werden), gab es in ihrer Nach-Zappa-Ära noch weitere Alben im Geiste ihrer Zappa-Zusammenarbeit. Vor allem das erste der hier zusammen auf einer CD wieder veröffentlichten Mittsiebziger Werke versprüht den Geist, wenn auch nicht die Musik, des das Duo adelnden Engagements bei FZ. Damalige Zappa-Mitarbeiter haben sich auf die instrumentale Einspielung eingelassen: Ian Underwood und Aynsley Dunbar, viele weitere zudem. "Illegal, Immortal And Fattening" sprüht vor bösem Humor, das Duo macht sich über die Musikindustrie her, verarscht nicht nur T-Rex in ihrem "Kama Sutra Time" - das muss einfach gehört werden. Instrumental und kompositorisch sind beide Alben eher simpel, "Moving Targets" wird auch noch mainstreamig und kitschig und lässt vom bösen Humor des ersten Albums viel vermissen. An "Eddie, Are You Kidding?" hat auch Zappa seine kompositorischen Finger im Spiel, schließlich gehörte der Song zum Live-Repertoire ihrer Zusammenarbeit. "Illegal, Immortal And Fattening" ist wilde Zirkusmusik zwischen Hardrock, Rock'n'Roll, Pop und Humor, nicht nur textlich, auch instrumental. Freakig und abgefahren, die 11 Stücke, und relativ simpel.
Mit dem 1976 veröffentlichten "Moving Targets" verlässt das Duo die Freak-Stage und wendet sich mit simpler Musik und auch wesentlich abgeschliffenen Texten kitschiger Popmusik zu. Resthumor ist natürlich vorhanden, die Texte sind immer noch würzig, insgesamt aber zeigen die 10 Songs deutlich, dass das kabarettistische Duo ausgebrannt und müde geworden war. Zappa-Süchtige, Turtles-Fans und Rock-Freaks, die auf abgefahrenen Humor stehen, sollten die CD dennoch testen. Interessant ist die Zusammenstellung, weil beide Mittsiebziger Alben gemeinsam enthalten sind. "Moving Targets" war vordem nicht mehr erhältlich, "Illegal, Immortal And Fattening" längst ausverkauft, nur teuer zu beziehen.
Die remasterten Alben haben einen sauberen, druckvollen Sound, ohne über den Schatten der damaligen Einspielung springen zu können. Im Booklet wird die Story des bis heute aktiven Duos anschaulich nacherzählt.

VM



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