Fleetwood Mac "Men of the world - The Early Years" 3CD-Set (Sanctuary/Castle Music 2005)

Für das Gros der Popfans dieses Planeten hat sich Fleetwood Mac wohl Mitte der 70er Jahre gegründet, und "Rumours" ist das Debüt, oder die zweite Platte der Band (nach dem im gleichen Line-Up eingespielten "Fleetwood Mac" von 1975). Wer weiß?!?
Bluesfans würden das als Ignoranz geißeln und sich hämisch ihren vielen Schätzen hingeben, die Fleetwood Mac seit 1968 veröffentlicht haben. Der geniale, introvertierte Gitarrist Peter Green, Bassist John McVie, Schlagzeuger Mick Fleetwood, Gitarrist/Pianist und Sänger Jeremy Spencer und ab 1969 Gitarrist Danny Kirwan (der heute als vermögensloser Obdachloser lebt) waren die Musiker, die Blues und Rock'n'Roll spielten. Die Band nahm nichts zu ernst und wollte ihren Spaß haben. Fleetwood Mac waren keine Blueswissenschaftler, sondern spielten vor unbekümmertem Publikum, jungen Leuten und aufgeschlossenen Girls, denen die Musiker ihrerseits viel Aufmerksamkeit widmeten. Sie nannten sich selbst die betrunkene, lustige, vulgäre Vaudeville Bluesband, die sich gern mit dem Publikum amüsiert und Geld verdient.
Castle Music veröffentlicht nun ein 3CD-Set früher Aufnahmen der Band. Verpackt in eine schicke Pappbox mit dickem Booklet inklusive Bandstory und vielen Bildern kann man hier eine Menge Material der begnadeten Musiker hören.
Die CDs sind thematisch gegliedert. Disc1 ist mit "Some Blues & Roots, Revisited" übertitelt. 15 kurze Tracks darauf, allesamt knackige Bluestracks und ein Rock'n'Roll zum Schluss. Leider ist gleich zu Beginn der ersten CD schon das Manko der Produktion zu erkennen. Bevor der erste Song beginnt, gibt es ein Intro, nur einige Sekunden lang. Das Intro ist der Beginn des besten aller Fleetwood Mac Songs, "Oh Well", der leider nicht in seiner umwerfend grandiosen Studioversion in der Box enthalten ist. Anspieltipps: "Love That Burns" und I Have To Laugh".
Disc2 ist das Highlight der Produktion. "Stretching Out, in the Studio" heißt die Überschrift. Neben mehreren kurzen Tracks sind zwei über 16 Minuten lang Improvisationen enthalten, die das instrumentale Vermögen der Band, allen voran Peter Greens, leidenschaftlich beweisen. Von der ersten bis zur letzten Sekunde begnadete Songs, die man einfach hören muss. Anspieltipps: "The Madge Sessions" und "October Jam".
Auf der Disc3, die "Live" übertitelt ist, kann man bekannten Songs der Band mit langen Improvisationen oder deutlich härter als im Studio gespielt lauschen. Einmal mehr sind die Gitarrensoli hinreißend. Disc2 und 3 zeigen, dass Fleetwood Mac längst nicht nur Blues gespielt haben, sondern diesen wilden Rock, wie er nur zu Ende der 60er bis Mitte der 70er Jahre gelang. Heftige Improvisationen, unbekümmerte Soli und instrumental ausgedehnte Materialschlachten sind hier toll nachzuvollziehen. Beste Tracks: das 15-minütige "The Green Manalishi (with the Two-Pronged Crown)" und "Black Magic Woman".
Angenehm dabei, dass das Gros der Songs in diesen Aufnahmen bisher nicht auf LP oder CD enthalten war. Sicher muss, vor allem auf CD1 und CD3 ein klanglicher Kompromiss gemacht werden. Die ersten Aufnahmen hatten einfach keine guten Aufnahmebedingungen, die live aufgezeichneten Songs klingen da schon viel besser, klarer und kraftvoller, aber immer noch soundmäßig eingeschränkt. Allein CD2 ist im Klang sehr gut.
Das 3-CD Set ist vor allem Blues- und Fleetwood Mac Fans zu empfehlen. Wer wissen will, wo Progressive Rock eine seiner Wurzeln hat, sollte in CD2 reinhören. In Aufmachung und Inhalt ein schönes, liebevoll produziertes Sammlerteil, das nur leider keine Informationen enthält, wann und wo die einzelnen Tracks aufgenommen worden sind.

VM



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