Georgie Fame "The Two Faces Of Fame/The Third Of Fame" (Sony Music 1967/68, BGO Records 2006)

Bandleader, Keyboarder und Sänger Georgie Fame, mit bürgerlichem Namen Clive Powell, spielte 14-jährig 1957 schon in einer Band namens The Dominoes. Zu aller Überraschung spielte er im Sommer 1959 mit Rory Blackwell & The Blackjackets, weil deren Pianist ausgefallen war. Mit weiteren Engagements rutschte Georgie Fame, wie er sich ab den 1960ern nannte, in den frühen Rock'n'Roll hinein. Er spielte 1960 live für Gene Vincent und Eddie Cochran. 1961 schließlich kam Georgie Fame zu einer Band, die sich The Blue Flames nannte, woraus bald Georgie Fame & The Blue Flames wurde.
Die erfolgreiche Band in großer Besetzung mit diversen Bläsern spielte Material für einige Alben ein und war Sprungbrett für etliche junge Musiker, so unter anderem John McLaughlin (!) und John Marshall; in seinen späteren Big Bands spielten unter anderem Lynn Dobson, Hughie Flint, Kenny Wheeler und weitere später in Rock und Jazz bekannte Musiker. 1966 verließ Georgie Fame die Blue Flames, um mit Big Bands zu arbeiten. 1967/68 begleitete ihn auf Konzerten das Count Basie Orchestra.
"The Two Faces Of Fame" enthielt eine live sowie eine im Studio eingespielte LP-Seite, eingespielt mit seiner eigenen, The Georgie Fame Band, sowie der Harry South Band. "The Third Face Of Fame" wurde mit diversen Musikern eingespielt, etlichen, die beim Vorgänger schon dabei waren, unter anderem Ronnie Scott, John McLaughlin, Ernie Shear und Albert Hall. Während auf dem ersten Album einige Songs waren, die zu Hits wurden, blieb "The Third Face" der große Ruhm vorenthalten. Etliche weitere Alben folgten in den 60ern, 70ern und 80ern. Georgie Fame spielte in der Folge mit Benny Goodman, Van Morrison, Eric Clapton, Muddy Waters, Joan Armatrading, Andy Fairweather-Low und vielen weiteren. Bis heute ist der Keyboarder und Sänger aktiv, gerade erst im Jahr 2000 bekam er für sein Album "Poet in New York" den Preis in der Kategorie Best Jazz Vocal Album Award von der französischen L'Academie du Jazz.
Die LP "The Two Faces Of Fame", die zusammen mit "The Third Face Of Fame" auf einer CD, digital remastert und mit dickem Booklet ausgestattet, wieder veröffentlicht wird, enthält auf ihrer 1. Seite die "The Concert" genannten Liveaufnahmen. Begnadet sind vor allem die Jazzvocals, grandios sein tiefer und komplizierter Gesang in "Bluesology", das Stimmbänder und Lungen ganz herausgefordert hat. Georgie Fame hat eine verrauchte, klangvolle Jazzstimme mit coolem, vollem Timbre, die in anspruchsvollen Gesangsstücken wie "C'Est La Vie" zu Hochform aufläuft.
Die Musik ist frischer und flotter Brass Blues mitten aus dem Beat-Zeitalter, damals galt der Big Band Sound als vornehm, modern und chic, war en vogue und hatte immer noch einen kleinen revolutionären Touch, gerade in den lauten und recht wilden Konzerten. Der Big Band Sound mit Popappeal und saftigem Rock'n'Roll im Blut ist Easy Listening Jazz mit Wohlfühleffekt. Doch was hier als Easy Listening gilt, wäre vielen heutigen, durch flache Popmusik verdorbenen und Musik eigentlich ungeübten Ohren zuviel melodischer Inhalt, zu inhaltsreich und komplex. Allein die Gesangslinien sind stets von großem Aufwand, seligem Inhalt und klingen dabei doch leicht und flott. Eine sympathische Musik, deren Reiz auch heute ungebrochen ist, der man gern erliegt. Klang einer vergangenen Zeit, nicht ohne nostalgischen Wert. Balladen, die als amerikanischer Chanson gelten können und eine melancholische und vitale Mischung aus Big Band Sound, Jazz, Rock'n'Roll und Beat sind.
Und doch ist nicht alte (Rock-)Musik gleich alte (Rock-)Musik. Den Vergleich spürt man in den Covertracks. Auf "The Third Face Of Fame" covert Georgie Fame "When I'm Sixty-Four" von den Beatles. Da ist ein großer Unterschied zu der Version der Beatles festzustellen, obschon die Arrangements sich nicht großartig unterscheiden. Georgie Fame klingt behäbiger, gemächlicher und hat weniger Witz und Charme, andere Stücke wie "The Pussycat" oder der auf historisch getrimmte Schlager "Exactly Like You" sind dagegen exzellente Songs mit Witz und Schmackes. Einer der schönsten Tracks der 22 Stück auf der CD ist "This Is Always", eine leise Jazzballade, deren Gesangslinie ein Phänomen ist. Was hier an unvergleichlichen Harmoniewechseln geschieht, hat große Intensität. Fames Stimme und ihr sicherer Gang durch die Melodien samt dem frechen Schrei mittendrin ist Zauber pur!
Die beiden LPs sind die ersten von Beat Goes On Records aufgelegten Alben von Georgie Fame, möglicher Weise folgen weitere. Hoffentlich!

VM



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