Ergo "Multitude, Solitude" (Cuneiform Records 2009)

"Multitude, Solitude" gehört meines Erachtens zu den exzellenten Scheiben auf Cuneiform Records im Jahr 2009. Das Trio Brett Sroka (pos), Carl Maguire (keys, synth, electr) und Shawn Baltazor (dr) liegt mit "Multitude, Solitude" im gefühlten Spannungsfeld zwischen Terje Rypdal und 1970er ECM-Jazz-Scheiben. Etwaige Parallele: die beiden LPs von Rainer Brüninghaus ("Freigeweht" und "Continuum") in ähnlicher Instrumentierung - wenn die auch vom Anfang der 80er stammen.
Die Spielweise der Band, ihr Interessengebiet, ihre Kompositionen und Arrangements liegen in tiefer Intensität zwischen Jazz, Ambient und Electronic, mit mehr als einem Link zum ‚Fusion'-Sound der 70er Jahre. Knifflige Tastendisharmonien sind trotz Drahtigkeit und Energie stets laid back und locker entspannt. Der Trommler trommelt komplexe, differenzierte Taktfrakturen, der Tastenmann schafft die zerbrechliche Sphäre, in die der Posaunist mit kraftvollen Stößen fragile Melodietupfer fluten lässt. 6 Songs sind auf der CD, keiner zuwenig. Zwei Stücke sind überlang, da fließt der harmonische Strom episch, lädt seine Moleküle und Vitamine üppig aus.
Gefühlt ist die CD keine halbe Stunde lang, so zart und doch straff und intensiv, wie die Stücke sich entwickeln und schmeichelhaft ins Ohr gehen.
Hin und wieder habe ich das Gefühl, manche Partie schon einmal gehört zu haben, in anderem Zusammenhang, hier mixen sich erstklassige Einflüsse aus der besten Jazzrock-Zeit in die Silence is the new loud - Sphäre.
Jeder Ton sitzt und was angenehm wie ein Sommerhauch, hat keinen Kitsch oder alltägliche Überdosis Melodie und Harmonie, wie es in der ambienten Szene so gern überspitzt wird, sondern findet erst aus der Spannung zwischen Disharmonie und lasziver Stille zu der grandiosen Jazz-Innigkeit, die über allem steht und die Songs bestimmt.
Wo spielen die demnächst in Deutschland?

ergoisaband.com
cuneiformrecords.com
VM





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