Derek Sherinian "Molecular Heinosity" (InsideOut Music, VÖ: 20.03.2009)

Der Frickeltechniker mit dem jazzigen Metal-Tick, Derek Sherinian, spaltete die Interessengruppe mit seinen Soloscheiben wie den Planet X Alben von vornherein. Das eine Lager nennt ihn durchschaubar und ermüdend, das andere gibt sich den technischen Mätzchen mit Vergnügen hin. Und ich gebe es gern zu: ich gehöre zu Letzteren.
"Molecular Heinosity" ist der neueste Streich. Nicht ganz 40 Minuten lang, unveränderter Stil. Fast rein instrumental, im letzten Track, "So Far Gone", singt Pseudo-Ozzy Zakk Wylde mit Inbrunst, gibt es auf vertrackter Rhythmusbasis eingängige Motive, ausschweifende Soli von Gitarre und Keyboards und knackige Komplexattacken. Von letzteren gibt es jedoch um einiges weniger als auf den Solo-Vorgängeralben, deutlich weniger als unter dem Planet X Banner. Schon sein letztes Soloalbum, "Blood of the snake", von, oops, das ist schon drei Jahre her?, 2006, enthielt weit weniger Jazz, dafür den alten Schlagerhit "In the Summertime" in neuer Interpretation.
Die Gästeliste liest sich erlesen: genannter Zakk Wylde, Virgil Donati, Tony Franklin, Brian Tichy (statt Simon Phillips am Schlagzeug), Rusty Cooley, Brett Garsed, Taka Minamino, Jimmy Johnson, Rob Mules (und nicht "Mob Rules"), Tina Guo, letztere mit Cello in zwei Tracks. Gute, erfolgreiche Musiker, die bei ihrem Kumpel Sherinian progressive Klänge erschaffen dürfen, was in ihren eigenen Namen nicht in jedem Fall der, ja, Fall ist.
Die Platte beginnt mit dem dreiteiligen "Antarctica - Ascension - Primal Eleven", das schon mal deftig ausholt, Prog Metal, Yngwie Malmsteen und Emerson, Lake & Palmer als Vorbilder erkennen lässt und diverse beeindruckende Facetten fährt. Die nachfolgenden Tracks erfreuen durch schnelle Motive, enorme Virtuosität und technische Frickelaffären. "The Lone Spaniard" ist eine melancholische Ballade, die vielleicht etwas dick aufträgt und volumig schwelgt. Leider kommt das Cello nicht wirklich durch. Der kurze Titeltrack, ein krachendes Metalmonster, hat ein düsteres Intro. Der stete Rhythmusbruch mit dröhnender Orgel und tiefergelegten Riffkanten bietet nichts Neues und eigentlich keine Überraschung, so gibt es nur Freude, wenn der geneigte Hörer schlicht drauf steht und Vergnügen am Sherinian-Sound hat.
Die siebeneinhalb Minuten lange Düsternisballade zum Schluss mit Zakk Wylde-Ozzy hat partiell was von arabischem Basar im mystischen Symphonic Metal Kleid. Die emotionalen Höhen und apathischen Tiefen sind eindrucksvoll gezeichnet. Auch hier ist das Cello leise eingemixt, könnte kräftiger und wirkungsvoller seinen Klang wirken lassen.
Für Fans und Süchtige.

dereksherinian.com
insideout.de
VM





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