darXtar "Aged to Perfection" (Transubstans Records, 14.05.2012)

Aliens, die schon länger auf Erden wandeln, verspüren oftmals Sehnsucht nach den Sternen. Und wenn diese dann Musiker und speziell Rockmusiker sind, sie zuerst mit rassigen Alben der Welt von ihren Erfahrungen berichteten, im Laufe der Jahre stetig irdischer wurden und seltsam heimatlos blieben zwischen der Faszination des hiesigen Planeten und der Ferne ihres Ursprungs, bricht ihre Musik irgendwann in Dimensionen ein, die sich aus irdischen (nicht unbedingt weltlichen), spacigen (nicht unbedingt spaßigen) und psychischen (nicht unbedingt psychedelischen) Einflüssen speist. Da flittern immer noch diese seltsamen elektronischen Sounds, die Spacerocker erleben, wenn sie mit ihrem Fluggerät durch die Tiefen des unendlichen Weltalls dämmern und dabei allerhand Stoffen, Atomen, Elementen, Körpern und anderen Fliegern begegnen (auf Erden klingt das etwa so, wenn ein Krankenwagen mit schick lautem Horn von weither ankommt und vorbeiprescht, seinen Sound mit sich mitnehmend). Dumpfe Rhythmusvielfalt zwischen stoischer und differenzierter Qualität unterhält in sich pulsierende Songs, die, wenn so eine Band in Schweden gelandet ist und von den Einheimischen musikalisch ausgebildet wurde, düster folkloristische, psychedelisch progressive und von Weltrockgrößen beeinflusste Musik bastelt. "Aged to Perfection" klingt ein wenig, als würden Pink Floyd aus dem mittleren Drittel Schwedens stammen, wehmütig, nostalgisch, inbrünstig, in harmonischem Breitwandsound, der melancholisch in sich einzufallen droht. Kürzere Songs sind irdischer, liedhafter, weisen eine fast countryeske Note auf, und haben ebenfalls diese nachdenkliche Sanftmut, die dem ganzen Album wie schwermütige Patina eigen ist. Egal, wie lange sie auf Erden leben, ganz ankommen werden sie nie, zuhöchst nachfolgende Generationen, wenn Aliens und Menschen Gene kreuzen. So kommt dann doch noch etwas stürmischer Drang auf, der in langem, mit schwer und laut tönender elektrischer Gitarre ausgestattetem Rockmonster durch 8:39 Minuten streicht.
Da melancholische Sehnsucht überwiegt, und der Blick samt Off-Electronics immer wieder gen Himmel wandert, nachts, wenn das Lichtermeer über einsamen schwedischen Weiten seine Vielfalt offenbart, sind schwer heftige Rocksounds selten und verletzlich zarte Einsamkeit dämmert in geradezu minimalistischen Epen mit großem Eindruck hinaus in die Weite.

VM



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