The Claudia Quintet "Semi-Formal" (Cuneiform Records 2005)

"Semi-Formal" ist die dritte Produktion der seltsame und ungewöhnliche Musik spielenden Truppe The Claudia Quintet, und ihre zweite auf Cuneiform. Hier sind stilistische Marken aus Jazz, Rock, Fusion und Trip Hop aufgegangen. Ein Hauch der 50er Jahre steckt im Jazz, die 70er arbeiten sich in Fusion aus, die 80er schmeißen No Wave und Rock In Opposition rein, die 90er drippeln mit hüpfendem Schlagzeug herbei und die Band aus der Jetztzeit fügt die Teile in eigenen Kompositionen zusammen.
Klezmer goes Pop, so klingt "Drewslate". Und "Guarana" ist fabelhaft komplexer Progjazz (was sicher keiner hören will in der Band). Aber egal, welche Schublade aufgemacht werden muss, um die Songs darin verenden zu lassen, diese komischen Dinger von Songs kann man sich antun und wohlige Schauer melodischer Anmut über sich ergehen lassen.
Die Musik des Quintetts tut nicht weh, geht recht lieblich ein und weiß sich hübsch ins Gedächtnis zu prägen. Die frischen Songs haben den kecken Sound der Ironie und klingen dennoch neokonservativ, was sich in edler Zurückhaltung, eleganter Soundsprache und strenger Betonung der Noten ausdrückt. Hier sind keine wilden Musiker am Werk, die der Weite der Leere ein weiteres amelodisches Meisterwerk abtrotzen will, sondern gebügelte Jungs mit Sinn für Ästhetik und ernsthaft klingende Stille. Nichtsdestotrotz (schönes Wort, nicht?!) beweisen die Jungs immer wieder Humor. Nicht nur im 11. Track "Where's my mint?", wo sie eine Persiflage auf Gentle Giant entwerfen, die im harmonischen Klang des instrumentalen Arrangements köstlich aufgeht. Gut gemacht!
Ach, ganz vergessen zu erwähnen: das Vibraphon hat in den 13 Songs dieser 67 Minuten langen Produktion die Nase vorn, und das ist, wie ab und an bei Tortoise, auch verdammt angenehm!

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VM



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