The Carl Verheyen Band "Live in L.A." (Mascot Provogue Records 2005)

Viele sehr gute Musiker arbeiten der breiten Masse unbekannt an ihren ambitionierten Projekten. Und viele davon werden zeit ihres Lebens kleine Brötchen backen, weil die Fanschar zwar treu, aber klein ist. So ging es Carl Verheyen lange.
Zwar hatte er in der Blues und Rock Szene einen Namen als technisch versierter Gitarrist, doch das hätte sich nie geweitet, wenn er neben den diversen Engagements in Jazzrock und Bluesrock Projekten 1985 nicht Tourgitarrist der Melodic Rocker Supertramp geworden wäre (die damals zwar schon längst auf dem absteigenden Ast waren, aber eben einen unvergänglichen Namen haben). Manchmal klappt es, und bei Carl Verheyen setzte seine Qualität sich durch. Damit bekam sein Name eine ganz andere Bedeutung. Seine eigenen Projekte, die er unter dem Namen Carl Verheyen Band begann und kontinuierlich verfolgte und die musikalisch mit Supertramp nichts gemein haben, bekamen größeres Feedback. Dennoch dauerte es bis 1996, dass Carl Verheyen einen festen Plattenvertrag bei Provogue unterschrieb. Im gleichen Jahr wurde Carl mit der Reunion von Supertramp festes Mitglied der Band. In der Folge veröffentlichte Verheyen seit 1998 vier ausgezeichnete Alben, die stilistisch zwischen Blues, Rock und Fusion mäandern.
Längst hat Carl Verheyen sich mit seinem eigenen Namen dank steter Touren in der Blues und Fusion Szene durchgesetzt. Nachdem 2003 "Six" seine letzte CD war, liegt nun der Mitschnitt "Live in L.A." als CD und DVD vor. Beide Produktionen beinhalten dasselbe Konzert, klangtechnisch hervorragend aufgenommen und abgemischt und mit atemberaubender Atmosphäre. Die Zugabe kommt auf der CD ohne Pause hinter den 9 Programmsongs. Auf der DVD ist diese Pause ausführlicher nachzuvollziehen.
Neben Carl Verheyen, der akustische und elektrische Gitarren spielt und singt, waren Cliff Hugo am Bass (Supertramp, Manhattan Transfer) und Bernie Dresel am Schlagzeug (Brian Setzer Band) die technisch überaus versierten und spielfreudig aktiven Akteure auf der Bühne. Mit dem 7. Stück setzt Jim Cox (Ringo Starr) sich an die B3 Hammond.
Es gibt keine Bühnenshow, keine sportlichen Aktivitäten der Musiker, keine großartige Bewegung. Das ist auch nicht notwendig. Hier geht es um intensive Musik, die in den meisten Songs einen Bluesrahmen hat und sich mal leise und zart, dann wieder laut und hart auf solistisch improvisative Pfade begibt und ein Feuerwerk losgelassener Rockmusik abschießt. Blues, Rock und Fusion fließen gekonnt ineinander. Dabei bleibt die Band stets melodisch und harmonisch, so dass CD und DVD Bluesfans wie Gitarrennarren faszinieren wird. Am beeindruckendsten ist das im 7. Track "Diamonds" gelungen, der in ausgedehnten 10 Minuten viel Raum für Soli an Gitarre und Bass bereithält. Eine schweißtreibende Arbeit, die das nicht mehr so ganz junge Trio mit Verve und Spielfreude energisch anging.
Auf der von mehreren Kameras sehr gut fotografierten DVD gibt es einige Zugaben, so interessantes Rehearsal Footage, eine Fotogalerie und Kleinigkeiten mehr. Bei mir persönlich liegt der Fokus eindeutig auf Musik, und so würde ich die CD vorziehen. Doch die DVD bietet mehr Material und vor allem kann man den Musikern entspannt im Wohnzimmersessel bei der Arbeit zusehen. Beide Produktionen sind sehr empfehlenswert.

mascot-provogue.com
VM



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