Canned Heat & John Lee Hooker "Hooker 'N Heat" (1970, BGO Records 2006)

Eigentlich müsste es umgedreht John Lee Hooker & Canned Heat heißen. Der im Mai 1970 eingespielte Bluesklassiker präsentiert auf der ersten seiner beiden LPs (und jetzt CDs) ausschließlich John Lee Hooker solo. John Lee Hooker war ein großes Idol für Robert Hite und Alan Wilson, die Canned Heat (Hitze in Dosen) 1965 gegründet hatten. Die Verehrung ging so weit, dass Robert "The Bear" Hite, der über viele Jahre eine riesige Anzahl von Bluesplatten angesammelt hatte und bei der Gründung der Band nur Musiker zuließ, die wie er und Wilson Bluessüchtig waren, in die Produktion aktiv gar nicht eingebunden war und aus dem Off zusah und -hörte, wie seine Bandmitglieder Henry Vestine (lead g), Al Wilson (harm), der Neuzugang Antonio de la Barreda (b) und Adolfo de la Parra (dr) als zurückhaltende Begleitband für die 7 Songs der 2. LP (und 2. CD) den dezenten elektrischen Background für den singenden und Rhythmusgitarre spielenden John Lee Hooker unterhielten. Es wurde das letzte Album für Al Wilson, der Bluesnarr starb am 3. September 1970 an einer Überdosis Drogen.
CD1 enthält 10 akustische, folkloristische Bluesnummern. John Lee Hooker lässt sich Zeit, redet zwischen den Tracks, spielt die tiefe, dunkle Melancholie der Bluesmotive leise und schwer aus und erhebt seine Stimme so einzigartig, dass man glaubt, jeden Atemzug hören und die Stimmbänder vibrieren zu spüren. Kein Vergleich also zu dem sonstigen schweren Boogie von Canned Heat. Die Songs riechen nach Urblues, nicht nach Pop, sondern nach wahrem Gefühl, innerer Anspannung und ernsthaftem Ausdruckswillen. (Wäre Hooker wie viele andere schwarze alte Bluesmänner nicht geschmeichelt von der Verehrung der jungen, langhaarigen Musiker, er hätte ihre Gitarrensoli und liebessehnsüchtigen Teenagerlyrics seiner Jünger gewiss verachtet, vielleicht tat er das innerlich auch.) CD2 beginnt wie die Stücke auf der ersten CD. Doch die Band kommt dezent zum Einsatz und steigert zunehmend ihre Aktivität, bis aus den akustischen Folknummern kraftvolle elektrische Triebe sprießen. Doch auch diese Songs haben mit Canned Heat, wie sie auf ihren früheren und späteren Alben zu hören sind, wenig gemein. Henry Vestines typischer Gitarrensound, klar, ist gut zu erkennen. Aber Hookers Stimme und die Abwesenheit von Hite und das schlichte Geradeausspiel sprechen eine andere Sprache, als auf den poporientierten Rockalben der Band.
Der Höhepunkt der Verinnerlichung findet im manischen "Boogie Chillen No.2" zum Ende der CD statt. Über 11 Minuten spielen Band und Hooker das schlichte Motiv. Minimalistisch und aufs Notwendigste beschränkt, glaubt man bald, in einem Bummelzug durch die weiten Landschaften der Südstaaten der USA zu fahren, wo das Geräusch der Gleise dongdong dongdong dongdong macht, die Zeit ihre Bedeutung verliert und die Gedanken sich irgendwann verlieren.
"Hooker 'N Heat" war bald ein Klassiker. Doch man muss wahrer Bluesfanatiker sein, um das Album zu lieben. Mit flottem, hartem Bluesrock, wie ihn die Band auf ihren anderen Alben, oder etwa Johnny Winter, Rory Gallagher oder Roy Buchanan spielten, ist diese jetzt auf 2 CD veröffentlichte, remasterte und mit informativem Booklet ausgestattete Produktion nicht zu vergleichen.

VM



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