Roy Buchanan "Live Stock"/"A Street Called Straight" (Polydor 1975/76, Beat Goes On Records 2005)

Roy Buchanan war zeit seines Lebens der Anti-Star, der keine Allüren kannte, sich nie in den Vordergrund drängte und Trubel um seine Person hasste. Sein Gitarrenstil machte ihn früh zur Legende. Bereits in den Fünfzigern spielte er Gospel und Blues, war in Ronnie Hawkins Band und mit Johnny Otis, Dale Hawkins und Eddie Cochran auf der Bühne. 1957 spielt er seinen erste Solosong ("My Babe") ein. Er war beliebter Studiogast, und als die Rolling Stones ihn 1969 fragten, ob er den verstorbenen Brian Jones ersetzen wollte, sagte er ab (was er nie bereut hat). 1971 veröffentlichte Roy Buchanan sein erstes Soloalbum, zwei Jahre drauf folgte das "Second Album".
Die beiden kürzlich von Beat Goes On remastert auf CD veröffentlichten Alben "Live Stock" (1975) und "A Street Called Straight" (1976) haben sich wie alle anderen Buchanan-Alben in den 70ern nicht verkauft. Der Gitarrist blieb ein Geheimtipp. Das lag sicher an der Schlichtheit der auf den Alben enthaltenen einfachen Songs, in denen Buchanan mit Band Blues, Boogie, Country, Soul und Rock ohne große Schnörkel spielt. Markant ist lediglich das Solospiel Roy Buchanans, und das ist außergewöhnlich brillant. So wie Buchanan, elektrisch wie akustisch, spielt kein Zweiter. Selbst die gezogenen Slide-Läufe sind ultraschnell. Die Töne singen und jubeln, quietschen und dröhnen - dieser Art Gitarrensolo ist einzigartig und von großem Reiz.
"Live Stock" (Track 1 bis 7) ist das ambitioniertere Album der beiden auf einer CD vereinten LPs. Die Soli sind länger, extravaganter und der Sound der Gitarre und die Schrillheit der Soli von verblüffendem Klangeindruck.
Doch auch das seinem Namen gerecht werdende "A Street Called Straight" (=A Music Played Straight) hat seinen Reiz. Die 11 eingängigen, typisch amerikanischen Rocksongs haben ZZ Top und ganze Horden nachfolgender Blues- und Rockmusiker inspiriert. Und auch in den kurzen Stücken sind die verrückt-genialen Gitarrensoli enthalten.
Die Produktion ist nicht nur Bluesfans zu empfehlen. Wer Interesse an ungewöhnlicher und extravaganter, brillanter Gitarrenarbeit hat, sollte die CD unbedingt testen!

VM



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